Deutsche Unternehmen verprellen institutionelle Anleger, wenn sie zu wenig auf die Corporate Governance achten
Investoren meiden zugeknöpfte Manager

BMW-Chef Helmut Panke und Daimler-Chrysler-Boss Jürgen Schrempp werden ihre Geheimniskrämerei bald aufgeben müssen. Ab 2006 müssen sie die Höhe ihrer Gehälter veröffentlichen. Bisher hatten sich viele Manager geziert – und nur die Summe der Gehälter aller Vorstandsmitglieder benannt. Damit ist jetzt Schluss: Der Bundestag verabschiedete Ende Juni ein entsprechendes Gesetz.

HB DÜSSELDORF.Mit ihrer Verschwiegenheit haben die Vorstände bisher gegen die Interessen vieler Investoren gehandelt. Das belegt die aktuelle Studie der Unternehmensberatung Hewitt. Danach halten 42 Prozent der befragten institutionellen Anleger die Zusammensetzung der Vorstandsvergütung für außerordentlich wichtig. Für unwichtig erachten sie nur 17 Prozent. Das Ergebnis zeigt: Zugeknöpfte deutsche Manager verprellen Investoren – und schaden damit letztlich ihrem Unternehmen.

Für die Studie befragte Hewitt die 35 größten institutionellen Anleger in Deutschland, darunter Fondsgesellschaften und Banken. 62 Prozent der Befragten gaben an, dass die Corporate Governance für ihre Anlageentscheidungen eine außerordentlich wichtige Rolle spielt. Ob Unternehmen die Regeln einer ordentlichen Unternehmensführung und -kontrolle einhalten, hat direkten Einfluss auf das Interesse institutioneller Investoren – und damit auch auf den Aktienkurs. Dieser Zusammenhang sei mit der Studie erstmals bewiesen, meint Jan Pinternagel, Leiter der Manager-Vergütungsberatung bei Hewitt: „Bislang gab es kaum Informationen darüber, welche Bedürfnisse institutioneller Investoren haben.“ Anlegerschützer und einzelne Fondsgesellschaften kritisieren schon lange die unvollständige Umsetzung der Corporate-Governance-Regeln in Unternehmen – auch bei der Einzelveröffentlichung der Vorstandsgehälter. Auf viele Vorstände hat die Schelte keinen Eindruck gemacht: „Unternehmenslenker sind in puncto Gehaltsfragen äußerst sensibel und zurückhaltend“, bestätigt Henning Gebhardt, Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Bevor er Aktien eines Unternehmens kauft, achtet Gebhardt auf Folgendes: „Was motiviert den Vorstand? Und wonach richtet sich die Entlohnung?“

Damit ist der DWS-Fondsmanager in guter Gesellschaft, zeigt die Hewitt-Studie: 93 Prozent der befragten institutionellen Anleger verlangen eine erfolgsabhängige Vergütung der Vorstände. Nur wenn der Gewinn stimmt, sollen Manager viel Geld verdienen. In ihren Anlagegrundsätzen legt etwa die Fondsgesellschaft Fidelity International fest: „Incentives sind so zu gestalten, dass die Vergütungen eine klar überdurchschnittliche Leistung und die Schaffung zusätzlichen Vermögens für die Aktionäre widerspiegeln.“ Und sie fordern Transparenz: „Jegliche darauf gerichtete Information ist offen zu legen.“

Nicht nur Fidelity verlangt eine größere Kontrolle der Vorstandsgehälter durch die Aktionäre. Knapp die Hälfte der Befragten plädiert dafür, deutsche Unternehmen sollten Vergütungskomitees nach US-Vorbild einrichten. Fast einstimmig forderten die Befragten, dass diese Gremien ausschließlich oder zumindest mehrheitlich mit Aufsichtsräten besetzt werden. 73 Prozent der Investoren würden es für unzulässig halten, dass der Vorstandschef an den Sitzungen eines solchen Vergütungskomitees teilnimmt.

Kompromisslos geben sich die Investoren auch bei der Frage nach Abfindungen für Manager, die freiwillig ausscheiden. 92 Prozent wollen in solchen Fällen keinerlei Zahlungen akzeptieren. Hier ecken Unternehmen regelmäßig an. „Beim Thema Vergütung gibt es in Deutschland noch starken Nachholbedarf“, so Pinternagel.

Jedoch: „Die Gehälterfrage ist nur ein Nebenkriegsschauplatz der Corporate Governance, wenn auch ein interessanter“, heißt es bei Fidelity. „Viel wesentlicher für unsere Anlageentscheidungen sind grundsätzliche Fragen: das Verhältnis Vorstand–Aufsichtsrat, die Strategie und die Transparenz der Geschäftspolitik.“ Nicht zu vernachlässigen sind weiche Faktoren: 61 Prozent verlangen von Managern, dass sie sich tadellos verhalten und Unternehmenswerte vorleben.

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