Deutsche Vorstände
„Business is Show-Business“

Deutsche Unternehmenslenker machen oft eine schlechte Figur auf den „Brettern, die das Geld bedeuten“. Die Kunst der Selbstinszenierung vor großem Publikum beherrschen nur die wenigsten Vorstände – und verspielen dadurch Vertrauen in ihr Unternehmen.

DÜSSELDORF. „Der typische Vorstand trennt sich eher von seiner Frau als von seinem Manuskript“, so spottete schon Hans-Olaf Henkel, Ex-Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie und selbst preisgekrönter Redner, über das Unterhaltungstalent deutscher Manager. „Mit gesenktem Blick kleben sie am Redetext, dazu gesellen sich rhetorische Schwächen und peinliche Momente“, konstatiert die Theaterwissenschaftlerin Brigitte Biehl. Über zwei Jahre beobachtete sie die Selbstinszenierung von Vorständen auf Hauptversammlungen, Analysten- und Bilanzpressekonferenzen.

Ihr Fazit: Deutsche Unternehmenslenker machen oft eine schlechte Figur auf den „Brettern, die das Geld bedeuten“. Viele spielten ihre Rolle plump und pannenreich. Zugleich strotzen die Reden nur so vor Metaphern. Im Schnitt sind es drei pro Minute, meist aus Architektur und Sport, ermittelte Biehl. Ein kraftvoller Redetext, vorgetragen mit oft energieloser Stimme, wirkt wenig überzeugend. Etwa dann, so Biehl, wenn Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke eher lustlos und arrogant berichte, die Mitarbeiter auf Kundenorientierung zu trimmen. Biehl fragt sich: Warum nutzen Vorstände nicht wenigstens Teleprompter, wie es ausländische CEOs tun, um durch Gesten und Blickkontakt den Funken überspringen zu lassen?

Fakt ist: Deutsche Vorstände sind zwar erfolgreiche, aber meist nüchterne Sacharbeiter, die ihre Aufgabe am liebsten geräuschlos erledigen. Hauptversammlung oder Bilanzpräsentation sind vielen eher leidige Pflicht als Lust. Und ein Auftritt vor Tausenden im Blitzlichtgewitter treibt selbst Leuten, die gewöhnt sind, mit Milliarden zu jonglieren, den Schweiß auf die Stirn. Die kleinste falsche Geste oder Antwort könnte ja den Aktienkurs auf Talfahrt schicken.

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