Deutschland-Chef der Citigroup
Maurice Thompson: Kämpfer gegen Windmühlen

Maurice Thompson ist nicht zu beneiden. Manchmal muss sich der Deutschland-Chef der Citigroup wohl fühlen wie Don Quijote de la Mancha, der als Ritter todesmutig gegen Windmühlen kämpfte. Gegen Windmühlen tritt Thompson zwar nicht an, wohl aber gegen den schlechten Ruf seines Hauses. Was Thompson in schwierigen Zeiten zu bieten hat.

FRANKFURT. Noch immer leidet die Citigroup unter dem Eindruck, am Rande des Abgrunds zu stehen. Zu Unrecht.

Trotzdem drängt sich das Bild auf, nachdem die Citi im vergangenen Sommer das deutsche Privatkundengeschäft der Citibank an den französischen Crédit Mutuel verkauft hat. Über kurz oder lang werden deshalb die roten Regenschirme geschlossen, die den Namen Citi vor Regen schützen. Auch wenn der Schirm in der Realität nicht geholfen hat, viele Milliarden an Abschreibungen und Verlusten zu vermeiden.

Das prägnante Logo über den Eingängen der Bankfilialen war das sichtbare Kennzeichen für die Präsenz der Amerikaner in Deutschland. Nach dem Verkauf hat es nur noch eine kurze Halbwertszeit. Aus, vorbei, abgehakt.

Dem Briten mit den vollen braunen Haaren und dem breiten Gesicht geht es seit Monaten darum, „seine“ Kunden zu beruhigen, ihnen zu zeigen, „wir sind weiter für euch da“. Und er hat in schwierigen Zeiten einiges zu bieten. So wird er nicht müde, zu betonen, dass Citi auch im vergangenen Jahr die Kreditvergabe entgegen allen Gerüchten sogar leicht angehoben hat. Es gehe immerhin um einen „mittleren zweistelligen Milliardenbetrag“, wie Thomson sagt. Auch 2009 bleibe alles beim Alten. Mit 550 Beschäftigten sieht er sein Institut ohnehin noch immer als stärkste Auslandsbank an, auch wenn die Belegschaft in der Krise um 20 Prozent abgebaut wurde und wichtige Leute wie etwa Jürgen Guber, Christian Ganssmüller und Kurt Ebert aus dem Bond-Bereich gegangen sind.

Im Geschäft mit deutschen Kunden würden Erträge über rund eine Mrd. Euro erzielt. Und in den vielzitierten Ranglisten in den Disziplinen Anleihe- und Aktienemissionen sowie Fusionen und Übernahmen sieht sich die Citi unter den Top Fünf.

Für den brillanten Diplomaten kam die Wende zum Besseren an einem Tag: dem 9. März. An diesem Tag sieht der fünffache Vater den psychologischenTiefpunkt für die Aktie bei einem Kurs unter einem Dollar. Danach hat sich der Kurstrend gedreht. Die Citi ist wieder wer, nachdem die ersten beiden Monate im Konzern gut verliefen. Der Kurs steht über 2,50 Dollar. Ein Glück auch für den Banker, der seit 2001 dabei ist, und dem sein Aufsichtsratschef Hans Reich „cool head, warm heart, working hands“ zuschreibt.

Thompson ist ein alter Hase im Banking. Nach Lehrjahren bei SG Warburg wechselte er zur Deutschen Bank, wo er zum Mitglied im Group Executive Committee, der zweiten Führungsebene aufstieg. Ein Ausflug in die Welt der Wagnisunternehmen war wenig erfolgreich.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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