Deutschlands Aufseher
Die mächtigsten Räte der Republik

Das Mandat als Aufseher bei einem der führenden 160 Konzerne verschafft Einfluss und Reputation. Die Macht konzentriert sich in Deutschland auf 30 Frauen und Männer. S ie bilden das Netzwerk der wichtigsten Entscheider.
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DüsseldorfDeutschlands mächtigster Aufsichtsrat ist Gerhard Cromme. Seine Reputation in der Öffentlichkeit, sein Netzwerk mit anderen einflussreichen Aufsehern und sein Status unter Kollegen verschaffen ihm den höchsten Machtfaktor unter allen Aufsichtsräten der führenden Konzerne. Mit knapp 266 von maximal 300 Bewertungspunkten liegt Cromme in der Handelsblatt-Rangliste der einflussreichsten Aufsichtsräte in Führung vor Clemens Börsig, dem noch amtierenden Chefaufseher der Deutschen Bank. Auf Platz drei folgt Manfred Schneider.

Das Finanzierungsdesaster des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp in den USA bleibt nicht ohne Folgen. Ekkehard Schulz, auf Rang fünf der Rangliste, wird durch seinem kurz bevorstehenden Abschied bei Thyssen-Krupp auf Rang 15 abstürzen. Netzwerk, Reputation und Status (siehe Erklärungen auf dieser Seite) sind die Bewertungs-Kriterien im Handelsblatt-Ranking der einflussreichsten Aufsichtsräte. Sie messen öffentliche Wirkung, Anzahl und Qualität der Beziehungen zu anderen Unternehmenskontrolleuren und die Macht jedes Kandidaten innerhalb der einzelnen Aufsichtsgremien.

Denn Einfluss speist sich aus verschiedenen Quellen. Cromme brilliert durch den höchsten Status unter Kollegen, Börsig ist der beste Netzwerker und Schneider Aufseher mit der höchsten Reputation. Wenn Börsig im Mai das Ruder wie geplant an Paul Achleitner abgibt, fällt er allerdings um acht Stufen auf Platz zehn ab. Achtleitner dagegen rückt von Rang neun auf vier.

Autorität, Ansehen und Kontakte sind messbare Dimensionen der Macht. Schwer greifbar ist die Qualifikation der Kontrolleure. Spätestens seit der Finanzkrise ist klar: Viele hochbezahlte Aufsichtsräte verstehen nicht, was ihnen die Vorstände an Bilanzen und Konzepten präsentieren. „Ein Aufsichtsrat sollte deshalb ein Gefühl dafür entwickeln können, ob Zahlen und Strategien stimmig sind“, sagt Henning Kagermann, heute Aufseher mit vier Topmandaten bei BMW, Deutsche Bank, Münchener Rück und Post. Unternehmerisches Gefühl ist für den ehemaligen Vorstandssprecher der SAP ein absolutes Muss. Denn „die größten Fehler werden in der strategischen Ecke gemacht“.

In den vorderen Reihen der Handelsblatt-Rangliste finden sich auch einige Überraschungskandidaten. Bernhard Walter etwa, nur zwei Jahre von 1998 bis 2000 Vorstandssprecher der inzwischen untergegangenen Dresdner Bank, leitet seinen Einfluss vor allem aus drei Topmandaten (Daimler, Henkel, Telekom) und seiner extrem langjährigen Aufsichtstätigkeit ab.

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