Deutschlands dienstältester Regierungschef
Porträt: Erwin Teufel

Am 22. Januar 1991 zog Erwin Teufel ins Zentrum der baden-württembergischen Macht ein. Seine politische Karriere begann jedoch bereits 1964.

HB STUTTGART/BERLIN. Sein Grundsatz lautete zwar: „Das Amt muss zum Mann kommen, nicht der Mann zum Amt.“ Als aber sein Vorgänger Lothar Späth nach einer Affäre um industriefinanzierte Reisen nicht mehr zu halten war, kam es für Teufel doch andersherum: Der Mann kam zum Amt.

Teufel, am 4. September 1939 in der Nähe von Rottweil als Sohn eines Bauern geboren und mit sieben jüngeren Geschwistern aufgewachsen, stand vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit im Schatten seines beliebten und umtriebigen Vorgängers. Er arbeitete zunächst eher im Stillen und vollendete mehrere Vorhaben, an denen Späth gescheitert war.

Teufel verzichtete aber auf die Verwirklichung teurer Späth- Projekte und setzte Akzente in den Bereichen Familie, Soziales und Umwelt. Gemeinsam mit Kultusministerin Annette Schavan (CDU), die er aus Nordrhein-Westfalen in sein Kabinett holte, führte Teufel den Fremdensprachenunterricht in der Grundschule und das achtjährige Gymnasium ein. Im Konvent zur Zukunft der EU leistete Teufel als Vertreter des Bundesrates auch von politischen Gegnern anerkannte Arbeit. Kurzzeitig wurde der CDU-Politiker auch als Nachfolger von Bundespräsident Johannes Rau genannt.

Im Gegensatz zu Späth schaffte es sein Nachfolger nicht, der CDU im Südwesten eine absolute Mehrheit zu verschaffen. Dies wurmt Teufel bis heute, weshalb viele in der Partei damit rechneten, dass der „ewige Erwin“ - auch angesichts guter Umfragewerte - noch einmal antritt.

Im Juli musste Teufel nach dem Rücktritt von Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) sein Kabinett umbilden. Mit der Versorgung der Ex-Minister Thomas Schäuble und Friedhelm Repnik (beide CDU) in landeseigenen Betrieben verscherzte sich Teufel auch innerhalb der CDU viele Sympathien.

„Beratungsresistent“, „bodenständig“, „bieder“ - geschadet haben diese Teufel nachgesagten Eigenschaften seiner Karriere viele Jahre lang nicht. Er genießt vor allem beim konservativen Teil der Bevölkerung Respekt, für sie wirkt er verlässlich und geradlinig. Affären und Eskapaden sind Teufel fremd. Er ist Vater von vier Kindern und engagierter Katholik.

Teufels politische Karriere begann 1964 in Spaichingen, damals war er Deutschlands jüngster Bürgermeister. Heute ist Teufel Deutschlands dienstältester Regierungschef. Wenn er am 19. April 2005 zurücktritt, wird er 14 Jahre, zwei Monate und 28 Tage im Amt gewesen sein.

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