Deutschlands einzige Großstadt
Freiburgs OB Salomon klebt nicht an Grünen-Idealen

Er ist der bislang einzige grüne Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt: Der promovierte Sozialwissenschaftler Dieter Salomon regiert die badische Universitätsstadt Freiburg mit Leidenschaft - und ohne Scheuklappen.

HB/dpa FREIBRURG. „Ich bin nicht Oberbürgermeister geworden, um Parteiprogramme durchzusetzen“, sagt der 42-jährige, der zuvor Chef der Grünen- Fraktion in Baden-Württembergs Landtag war. Am kommenden Dienstag (1.7.) ist Salomon seit einem Jahr im Amt. Mit 208 000 Einwohnern ist Freiburg die viertgrößte Stadt in Baden-Württemberg.

„Ich habe meinen Traumjob gefunden“, sagt Salomon. Nach seinem triumphalen Wahlsieg mit 64,5 % im zweiten Durchgang wurde der Grüne schnell von der Alltagsarbeit eingeholt. „Es hat keine Schonfrist für mich gegeben“, erinnert sich Salomon. Sein größtes Problem sind die Finanzen: Nur wenige Wochen, nachdem er auf dem OB- Sessel Platz genommen hatte, tat sich das größte städtische Finanzloch seit 30 Jahren auf. Die Folge: Salomon muss 2003 und 2004 eine Lücke von insgesamt 70 Mill. Euro schließen. Er kündigte seinen Bürgern „brutale Einschnitte“ an und macht seither Finanzpolitik auf Sparflamme.

Den Rückhalt in der Bevölkerung hat er dennoch nicht verloren. Ernst zu nehmender Widerstand seiner politischen Gegner ist Salomon bislang erspart geblieben. „Ich habe den Menschen offen und klar die Dramatik vor Augen geführt. Und ich habe versucht, alle ins Boot zu holen“, sagt Salomon. Selbst seine Kritiker belegen dem grünen OB eine solide und ehrliche Konsolidierungspolitik.

Oberbürgermeister ist der Stadt verpflichtet

Das gilt auch für andere Themen. Denn der ausgewiesene Realpolitiker klebt nicht an den oft kontrovers diskutierten Grünen- Idealen. „Ein Oberbürgermeister ist der Stadt verpflichtet und nicht einer einzelnen Partei. Er muss überparteilich und so weit wie möglich unabhängig sein“, sagt Salomon, der auch Vorsitzender von „Grünkom“, der Vereinigung grüner Bürgermeister und Beigeordneter sowie Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetages ist.

In seinem ersten Amtsjahr hat Salomon auch Themen angestoßen, denen seine Partei kritisch gegenüber steht: Er hat für den Bau eines Stadttunnels gekämpft und im Gemeinderat für einen sechsspurigen Ausbau der Autobahn 5 gestimmt. Gleichzeitig machte er sich als Grüner für den Bau von Windkraftanlagen stark und er plant, die Dachflächen des historischen Rathauses mit Sonnenkollektoren auszustatten. Als im September vergangenen Jahres die NPD zu einer Demonstration in der Freiburger Innenstadt aufrief, organisierte Salomon eine Gegenaktion. Mehr als 15 000 Menschen gingen gemeinsam mit dem grünen OB und gegen die Rechtsextremen auf die Straße.

Er wurde herzlich aufgenommen

„Meine größte Sorge war, dass ich mich im Dschungel der Verwaltung verliere“, sagt Salomon. Dies sei nicht eingetreten. Im Gegenteil: In den Amtsstuben sei er sehr herzlich aufgenommen worden. Salomon ist Chef von 4 000 städtischen Mitarbeitern. Rechnet man die städtischen Gesellschaften hinzu, hören rund 6 600 Beschäftigte auf sein Wort.

„Bundespolitisch war meine Wahl ein Signal, dass die Grünen auch in den Kommunen verwurzelt sind und erfolgreich sein können“, sagt Salomon. Seine Partei müsse dies erkennen und sich auf die 2005 anstehende Kommunalwahl konzentrieren. Die Landespolitik hat Salomon nach eigener Aussage „mit zwei lachenden Augen“ verlassen. „Ich vermisse nichts.“

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