Deutschlands Manager: "Besser als ihr Image"

Deutschlands Manager
"Besser als ihr Image"

Die Personalexpertin Sophie von Rundstedt und der Markenberater Frank Dopheide sprechen im Handelsblatt-Interview über die Qualitäten von Deutschlands Managern. Warum es für die Firmenlenker in puncto Persönlichkeit noch Potenzial gibt.
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Handelsblatt: Frau von Rundstedt, Herr Dopheide möchte Topmanager zu Marken formen. Was sind denn die Markeneigenschaften von Herrn Dopheide selbst?

Sophia von Rundstedt: Ich würde ihn als frisch, kreativ, seriös und ein Stück weit unkonventionell beschreiben.

Zu wie vielen anderen deutschen Managern fallen Ihnen noch konkrete Attribute ein?

von Rundstedt: Spontan? Wolfgang Reitzle von Linde ist qualifiziert und glaubwürdig, hat aber auch einen hohen Glamourfaktor. Das ist für den Gaskonzern eine interessante Ergänzung, weil die Unternehmensmarke das nicht verkörpert.

Aber der deutsche Durchschnittsmanager kommt nicht sehr markant daher – wie steht es da um die Charaktere?

von Rundstedt: Ich finde, der deutsche Manager hat in der Krise stark gelitten. Das Tempo ist mittlerweile so hoch, dass zwangsläufig Fehlentscheidungen fallen. Daraus haben sich viele Vorurteile über die ganze Managerriege entwickelt.

Frank Dopheide: Die Manager sind besser als ihr Image. Sie sind alle professionell, sportlich, schlank und rhetorisch trainiert. Jeder von ihnen könnte Claus Kleber im Heute-Journal ersetzen. Dabei ist aber eins verloren gegangen: die Einzigartigkeit. Es gibt Spielraum für Persönlichkeit.

Roland Koch, der im Sommer Chef von Bilfinger Berger wird, hat sicher viel Persönlichkeit. Passt er aber zum Baukonzern?

Dopheide: Koch steht für maximale Professionalität, Ernsthaftigkeit und seriöses Management. Er steht aber nicht für Dienstleistungsbereitschaft oder Globalität – Bereiche, auf die sich Bilfinger Berger konzentrieren will und die für das Unternehmen wichtig sind.

Kann ein Manager sich überhaupt von den Merkmalen seines Unternehmens lösen? Rüdiger Grube kann noch so nett sein, seine Imagewerte leiden unter dem Winterchaos genauso wie die der Deutschen Bahn …

Dopheide: Es braucht in der Tat eine hohe Deckungsgleichheit. Wenn die Produktqualität grundsätzlich nicht stimmt, wie momentan bei der Bahn, lässt sich das vielleicht durch persönliche Sympathiewerte des Chefs abpuffern, aber niemals aushebeln.

von Rundstedt: Grube transportiert aber doch schon einen Servicegedanken. Dafür, dass bei der Bahn in letzter Zeit so viel schiefgelaufen ist, hat er weniger gelitten als erwartet. Jeden anderen hätte das viel stärker getroffen. Das hat mit ihm zu tun, mit seiner Authentizität.

Dopheide: Wobei: Sympathie muss nicht der Treiber sein. Apple-Chef Steve Jobs ist auch nicht sympathisch – und trotzdem akzeptieren die Leute, wofür er steht, weil er einordbar ist.

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