Deutschlands Milliardäre haben die Wohltat entdeckt
Geben ist seliger

Es gibt nicht nur Zumwinkels, es gibt auch anständige Reiche. Daniell Porsche und Tobias Merckle etwa stellen ihren Reichtum in den Dienst der Gesellschaft. Ihr Credo: Die Wirtschaft hat eine soziale Verantwortung. Ein Handelsblatt-Report.

LEONBERG/ST. JAKOB. Tobias Merckle sitzt um kurz vor sieben in Leonberg bei Stuttgart in Strümpfen am Frühstückstisch. Dort stehen Kaffee, Milch, Müsli und Kuchen. Der schüchtern wirkende 37-Jährige mit den dunklen Haaren und dem jungenhaften Gesicht isst gemeinsam mit den jugendlichen Straftätern Mathias und Patrick. Die drei sind seit dem Frühsport um 5.45 Uhr auf den Beinen. Selbst im Winter, wenn es um diese Uhrzeit noch stockdunkel ist, geht es in den Wald zum Joggen.

Im Seehaus, einer Einrichtung des freien Strafvollzugs, existieren keine Gitter, Schranken oder Videoüberwachung. Der Sozialpädagoge Merckle lebt dort Tür an Tür mit den Jugendlichen und verbringt auch die Wochenenden mit ihnen. Als das Frühstück beendet ist, klopft Patrick "Tobias" beim Aufstehen herzhaft auf den Rücken. "Ich gehe nicht mehr in den Knast", sagt der 19-Jährige.

In St. Jakob am Thurn nahe Salzburg führt Daniell Porsche durch seine Welt. Er legt einem blonden Jungen die Hand auf den Kopf. Der duzt "Herrn Porsche". Für sechs Millionen Euro hat der 34-jährige der Paracelsus-Schule Salzburg in dem Bilderbuchdorf ein neues Gebäude errichtet. An der Waldorfschule für "seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche", wie seine Schützlinge nennt, werden 7- bis 18-Jährige unterrichtet, die verhaltensauffällig sind, Konzentrationsschwächen oder andere massive Probleme haben. Porsche hat braune Augen und gewellte Haare, er spricht sanft. "Wir sind die letzte Auffangstelle", sagt er.

Letzte Auffangstelle Wohltat: Der Ruf der Reichen in Deutschland hat gelitten. Mit Liechtensteiner Steueraffäre, Bankenkrise und überhöhten Gehältern hat sich ihr öffentliches Image als gierige Egoisten gefestigt. Dabei engagieren sich zahlreiche Unternehmer sozial. So wie Daniell Porsche und Tobias Merckle, zwei Sprösslinge prominenter vermögender Unternehmerfamilien. Ein Besuch bei zweien, die nicht nur Geld nehmen, sondern auch Geld geben.

"Ich bekomme Geld für etwas, für das ich nichts tue", sagt Daniell Porsche. Damit meint er die Ausschüttungen der Salzburger Porsche Holding. Sie ist einer der größten Autohändler Europas und gehört den Familien Porsche und Piëch - wie auch ein Großteil des Stuttgarter Sportwagenbauers mit seinen zuletzt rund 7,4 Milliarden Euro Umsatz und 4,2 Milliarden Euro Jahresüberschuss.

Daniell Porsche ist ein reicher Mann. Im Januar kassierten die Familien fast 200 Millionen Euro Dividende auf ihre Stammaktien am profitabelsten Autohersteller der Welt. Der Sportwagenhersteller ist überdies größter VW-Aktionär und steht kurz vor Übernahme der Mehrheit an Europas größtem Autobauer.

Im Gegenzug "tue ich etwas, für das ich nichts bekomme", sagt Porsche. Ein Fünftel seiner Ausschüttungen von zwei Millionen Euro im Jahr behält er für sich, seine Frau und die beiden Kinder. Das übrige Geld fließt in soziale Projekte.

Das wichtigste davon: die Paracelsus-Schule mit ihren 36 Schülern, die in Klassen mit meist drei bis fünf Kindern unterrichtet werden.

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