Diane Bryant
„Einige dachten, ich sei die Sekretärin“

„Wenn du eine Frau gefunden hast, die kein schlechtes Gewissen hat, dann ist es ein Mann“, sagt Diane Bryant, IT-Vorstand beim amerikanischen Chipkonzern Intel. Im Interview spricht sie über den Aufstieg in einer Männerwelt, den Zugang zu Altherren-Netzwerken und verschwitzte Helme beim Kart-Fahren.

Handelsblatt: Frau Bryant, Sie sind seit über 22 Jahren bei Intel. Wird es nicht mal Zeit für einen Wechsel?

Diane Bryant: Wissen Sie, ich habe Freunde, die mich anrufen und sagen: ,Komm schon, Diane, es ist gar nicht so übel auf der anderen Seite.‘ Aber mir war nie langweilig genug, um ernsthaft über einen Wechsel nachzudenken. Ich habe alle zwei bis drei Jahre neue Möglichkeiten im Konzern bekommen und mich immer herausgefordert gefühlt. Es waren dynamische 22 Jahre.

Sie haben sich in einer von Männern dominierten Branche zum IT-Vorstand hochgearbeitet. War es vielleicht sogar ein Vorteil, oft die einzige Frau zu sein?

Manchmal habe ich durchaus davon profitiert. Zum Beispiel erinnern sich alle an deinen Namen, wenn du die einzige Frau im Raum bist. Ich konnte mir in Meetings anfangs nie merken, wer jetzt noch mal Tom oder Dick oder Harry war. Aber alle wussten: Ich bin Diane. Das war eine Chance, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber natürlich zählt vor allem die Leistung – egal ob Mann oder Frau.

Sind Sie als Frau immer ernst genommen worden?

Meistens schon, aber manchmal sind auch komische Dinge passiert. Einige konnten nicht glauben, dass ich Ingenieurin bin. Sie haben mich gebeten, ihnen eine Tasse Kaffee zu holen, weil sie dachten, ich sei die Sekretärin. Ich hatte auch Vorgesetzte, die Vorurteile gegenüber Frauen hatten.

Und wie sind Sie damit umgegangen?

Zuerst dachte ich: Okay, ich werde ihre Einstellung verändern. Aber das ist wirklich schwer. Also habe ich meinen Vorgesetzten gewechselt, als ich erkannte, dass ich mich dort nicht weiterentwickeln konnte. So etwas fällt gerade Frauen sehr schwer. Sie harren lieber aus und sind dann häufig unglücklich.

Fanden Sie solche Erfahrungen nicht frustrierend?

Doch. Das war sehr frustrierend. Vor allem, wenn man überzeugt davon ist, dass Intel eigentlich immer ein faires und transparentes Umfeld geschaffen hat. Aber bei 88000 Mitarbeitern gibt es eben schon mal Ausscherer.

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