Die 30 bis 40-Jährigen müssen für zwei Generationen aufkommen
Die Last der Sandwich-Generation

Ehepaar Schwietz aus Nordrhein-Westfalen führte ein finanziell sorgenfreies Leben. Das Paar verdiente monatlich zusammen etwa 2 914 Euro netto im Monat und nannte ein schuldenfreies Einfamilienhaus sein Eigen. Die seit Jahren pflegebedürftige Mutter der Angestellten war in einem Alten- und Pflegeheim. 70 Euro zahlte die Tochter dafür im Monat an das Sozialamt, das die restlichen Heimkosten in Höhe von monatlich 1 200 Euro übernahm. Doch damit sollte Schluss ein. Denn dann kam der Bescheid, in dem das Sozialamt ab 1999 monatlich 286 Euro verlangt.

HB KARLSRUHE. Angesichts klammer öffentlicher Kassen und steigender Pflegekosten wenden sich die Sozialämter in den letzten Jahren vermehrt an die Kinder pflegebedürftiger Eltern. Das Ersparte der Eltern ist in diesen Fällen aufgebraucht und ihre Renten, die 2002 durchschnittlich bei etwa 900 Euro monatlich lagen, reichen bei weitem nicht aus, um die teilweise horrenden Kosten der Heime zu decken.

Das Sozialamt gewährt dann zwar Sozialhilfe, verlangt von den Kindern aber Elternunterhalt. "Sandwichgeneration" nennt man die zwischen meist 40 und 60 Jahre alten "Kinder" - sie müssen ihren Eltern und oft auch dem eigenen Nachwuchs Unterhalt gewähren.

Seit zwei Jahren befasst sich der Bundesgerichtshof (BGH) mit dem Thema und ist offensichtlich bestrebt, die Sandwichgeneration finanziell möglichst zu schonen, um nicht die nächste bedürftige Generation heranzuziehen und andererseits den Bedürfnissen der Kassen gerecht zu werden. So stellte der Familiensenat in seinem ersten Urteil 2002 fest, die Zahlungsverpflichtung dürfe nicht zu "spürbaren" Einbußen beim Lebensstandard führen. Ausnahme: Die Verpflichteten leben im Luxus und haben sich von den durchschnittlichen Lebensverhältnissen weit entfernt. Den zahlungspflichtigen Kindern wird daher ein freier Betrag von mindestens 1 250 Euro monatlich zugestanden. Nur wenn nach Abzug aller abrechnungsfähigen Kosten mehr als dieser Selbstbehalt übrig ist, kann das Sozialamt zugreifen. Wie der Verpflichtete den Selbstbehalt ausgibt, ob er etwa ein Luxusappartement gemietet hat oder teure Hobbys pflegt, ist laut BGH seine Sache.

Bei den Berechnungen wird ermittelt, wie viel Einnahmen der Verpflichtete überhaupt hat, also beispielsweise Bruttogehalt und Erträge aus Wertanlagen. Nach Abzug der Steuern werden weitere Beträge abgesetzt wie etwa Unterhaltszahlungen für geschiedene Partner sowie eigene Kinder oder Beiträge zur gesetzlichen Altersvorsorge. Einem selbstständigen Geschäftsführer sprach der BGH zu, 20 % seines Bruttoeinkommens für die Rente-und Pflegeversicherung sparen zu dürfen. Inwieweit Angestellte, Beamte und Selbstständige über die primäre Absicherung Kosten für private Lebensversicherungen absetzen können, hat der BGH noch nicht ausdrücklich entschieden. "Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch diese Kosten grundsätzlich absetzungsfähig sind, wie der BGH dies in seinen Entscheidungen bereits erkennen ließ", sagt die Familienrechtsanwältin Ulrike Börger aus dem Bonner Büro von Redeker, Sellner, Dahns & Widmaier. Dabei können Immobilien oder Wertpapiere zur Altersicherung gekauft, oder alles schlicht angespart werden.

Seite 1:

Die Last der Sandwich-Generation

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%