Die Akteure im Kirch-Poker
Mathias Döpfner - Der Frischling

Die Karriere des Doktors für Musikwissenschaften ging so steil nach oben wie bei keinem anderen Journalisten seiner Zeit. Als Chefredakteur der „Welt“ gefiel Mathias Döpfner der Verleger-Witwe Friede Springer, die über 50 Prozent und zehn Aktien des Axel Springer Verlages bestimmt. Ihr verdankt der 39-Jährige seinen Aufstieg zum Vorstandsmitglied und – seit Januar 2002 – Vorstandsvorsitzenden.

Ausgangslage:
Schon im ersten Monat seiner Amtszeit nahm der gepflegte Zweimetermann Döpfner den Minderheitsaktionär Kirch frontal an. Döpfner zog pünktlich am Mittwoch, den 30. Januar 2002, die im Sommer 2000 mit der KirchMedia vereinbarte Put-Option. Kirch müsste demnach 767 Millionen Euro an Springer zahlen.

Ziele:
Döpfner trieb Kirch in die Enge, weil er und vor allem die Haupteignerin Friede Springer Kirch schon immer als ungebetenen Eindringling empfanden. Die finanzielle Not, so das Kalkül, werde Kirch zwingen, seine Springer-Beteiligung zu veräußern.

Chancen:
Das Kalkül geht nun offenbar auf. Doch wer am Ende lacht, ist noch offen. Zwar hat sich Friede Springer mit dem HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt getroffen. Doch entscheidend wird sein, was die HVB mit dem Springer-Anteil vorhat.
Auch auf der zweiten Baustelle Kirch/Springer spielt Döpfner mit hohem Einsatz volles Risiko. Denn Kirch hat noch ein As im Armel. In die Enge getrieben, vertritt er die Rechtsposition, die Put-Vereinbarung sei nichtig. Springer habe keine Forderung, und er müsse nichts zahlen. Geben ihm die Richter Recht, verliert Springer den Anspruch auf die 767 Millionen Euro. Das ist etwa ein Drittel dessen, was der gesamte Springer-Verlag zurzeit an der Börse wert ist.


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