Die Blochers: Eine Familie regiert die Schweiz

Die Blochers
Eine Familie regiert die Schweiz

Vater Christoph wirkt als Justizminister, seine Kinder mischen in der eidgenössischen Wirtschaft kräftig mit: Die Blochers sind mit Abstand die einflussreichste Familie der Schweiz.

HB ZÜRICH. Wenn es nicht eine Blocher wäre, die gleich auftreten wird, wäre es nichts Besonderes. Nur irgendein Hotel in Zürich, irgendeiner dieser Säle, die immer die gleichen einfallslosen Namen tragen: London, Kopenhagen oder Genf. Eine Flagge weist darauf hin: Hier wird die Ems-Chemie jetzt ihre Bilanz erklären, ein mittelgroßer Hersteller von Spezialkunststoffen für die Industrie, der bei Umsatz und Gewinn auch heute wieder über der Branche liegt. Analysten mögen ihn dafür.

Wenn alle sitzen, beginnt der zeremonielle Teil der Veranstaltung. Der Verwaltungsratspräsident erscheint und gibt allen Anwesenden die Hand. Nach ihm betritt Magdalena Martullo-Blocher den Saal, Vizepräsidentin und Firmenchefin, burschikos, im schwarzen Hosenanzug. 43 Stunden Wochenarbeitszeit hat sie den Ems-Mitarbeitern kürzlich abgerungen. Ein bisschen erinnert sie an Frau Merkel. Frau Martullo schüttelt wieder jede Hand, spricht jeden mit Namen an. Selbst in der Schweiz, wo auch die höflich miteinander umgehen, die sich nicht ausstehen können, ist das ungewöhnlich. Die Geste schafft jedoch eines: Vertrauen. Wir-Gefühl durchströmt den Saal.

Szenenwechsel. Eine Betonhalle für Polizeieinsatzfahrzeuge in der Ostschweiz. Statt Feuerwehrautos füllen Tische und Bänke die Halle. Vorne am Pult steht der Schweizer Justizminister Christoph Blocher und zieht Bilanz seiner politischen Arbeit. Der Vater ist kaum größer als seine Tochter Magdalena, das breite Lachen, bei dem die Mundwinkel in der Waagerechten bleiben, ist das gleiche. Gegen Ende der Veranstaltung zieht der Minister aus seiner Aktentasche zwei Klarsichtfolien, auf denen er Projekte für die nächste Zeit aufgelistet hat: Asylmissbrauch, Schengen, Personenfreizügigkeit.

Er liebt Klarsichtfolien. Tausende von Vorträgen hat er mit ihnen bestritten. Gegen die Brüsseler Gleichmacherei gewettert und für eine souveräne Schweiz gekämpft. Noch immer verrutschen sie ihm ständig auf dem Projektor. Warum, denken seine Zuhörer in diesem Augenblick, sollte es ihm auch anders ergehen als uns? Am liebsten spricht er frei, sucht die Blicke. Wir-Gefühl durchströmt die Halle.

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