Die deutsche Hochfinanz erlässt Ehlerding Großteil seiner privaten Schulden
Vom Milliardär zum Bittsteller

Ob Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl, Dresdner-Bank-Vorstand Bernd Fahrholz oder DZ-Chef Bernd Thiemann – wenn Karl Ehlerding die deutsche Hochfinanz vor einigen Jahren in seinem luxuriös eingerichteten Penthouse-Büro nahe der Hamburger Speicherstadt empfing, kamen die Chefs meist persönlich.

HAMBURG. Großzügig gewährten die Bankvorstände dem schmächtig wirkenden Brillenträger mit der leisen Stimme und der schmalen Statur millionenschwere Kredite.

Das Geld investierte der frühere Großaktionär der Beteiligungsfirma WCM geschickt. Billig steigt er bei Publikumsgesellschaften ein, hebt die stillen Reserven und verkauft die Firmen später mit satten Gewinnen. Zu den lukrativen Deals gehören Spar, Ava oder die Württembergische Versicherung. Dadurch steigt der Finanzjongleur zeitweise zu den reichsten Deutschen auf, mit einem Privatvermögen von mehr als drei Milliarden Euro.

Doch die Glanzzeiten sind längst vorbei. Aus dem gefürchtetsten Firmenjäger Deutschlands ist ein Bittsteller geworden. Statt mit den Vorstandsspitzen der Banken verhandelt er seit zwei Jahren mühsam mit Direktoren oder Prokuristen aus dem mittleren Management, um seinen privaten Schuldenberg loszuwerden – ein satter Betrag von rund 680 Millionen Euro. Aber ihm gelingt es. „Ich habe fast 90 Termine mit Bankvertretern hinter mir, um privat alle meine Schulden loszuwerden“, sagt der 62-Jährige heute.

Damit ist er eine Ausnahme: Andere Pleitiers melden meist privat Insolvenz an, um dann erst nach sieben Jahren ihre Schulden abzuschütteln, wie Gerhard Schmid. Der Gründer von Mobilcom trat 2003 vor den Insolvenzrichter, nachdem er hohe Schulden angehäuft hatte.

Ehlerdings Miese stammen aus Fehlspekulationen mit Aktien der Frankfurter Commerzbank. Still und heimlich fangen er und seine beiden Geschäftspartner Clemens Vedder und Klaus-Peter Schneidewind 1999 an, rund 17 Prozent der Commerzbank-Aktien über die Börse zu kaufen – teilweise zum Durchschnittskurs von 32 Euro. Er selbst beteiligt sich mit 4,5 Prozent. Das Paket finanziert er mit 3,5 Milliarden Euro Eigenkapital und Privatdarlehen von 680 Millionen Euro.

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