Die Entwicklung der Auseinandersetzung im Überblick
Chronik: der Daimler-Chrysler-Fusionsstreit

Vor fünf Jahren fusionierten Daimler-Benz und Chrysler. Zwei Jahre danach reichte Kirk Kerkorian gegen die Fusion eine Klage ein. Am 1. Dezember 2003 treffen sich der Milliardär und die Führung von Daimler-Chrysler nun vor dem Bezirksgericht in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware.

HB STUTTGART. Hier eine Chronik der Ereignisse: Mai 1998: Daimler-Benz-Vorstandschef Jürgen Schrempp und Chrysler-Chef Bob Eaton verkünden die „Hochzeit im Himmel“ der beiden Autokonzerne. Die transatlantische Transaktion wird als „Fusion unter Gleichen“ (Merger of Equals) abgewickelt. Diese Form des Zusammenschlusses ist nach US-Gesetz steuerbegünstigt. November 1998: Die Fusion wird vollzogen. Januar 2000: Eaton tritt aus dem DaimlerChrysler -Vorstand zurück. Schrempp ist nun alleiniger Vorstandschef. Oktober 2000: Schrempp sagt der „Financial Times“ in einem Interview, er habe bei der Übernahme den „psychologischen Umweg“ über die Fusion unter Gleichen gehen müssen. „Die Struktur, die wir jetzt mit Chrysler haben, war die, die ich immer wollte.“ November 2000: Der US-Milliardär Kirk Kerkorian reicht über seine Investmentgesellschaft Tracinda eine auf acht Milliarden Dollar lautende Klage gegen Daimler-Chrysler ein. Schrempp habe die Chrysler-Aktionäre über die Umstände der Fusion getäuscht und von Anfang an eine Übernahme geplant, argumentiert er mit Verweis auf Schrempps Interview. Tracinda war mit 13,75 Prozent bis zur Fusion größter Chrysler-Aktionär. Kerkorian beziffert seinen Schaden auf zwei Milliarden Dollar, sechs Milliarden soll Daimler-Chrysler als Strafe zahlen. Der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie fällt auf ein Vierjahres-Tief von 44,70 Euro. Seit dem Höchststand im Juli 1999 hat sie mehr als die Hälfte an Wert verloren. Januar 2001: Kerkorian beginnt seine restlichen Aktien von Daimler-Chrysler zu verkaufen. März 2002: Bundesrichter Joseph Farnan lehnt die Abweisung der Klage gegen Daimler-Chrysler ab. Die Anwälte beider Seiten verhören in der Folge in stundenlangen Sitzungen Führungskräfte der Gegenseite, unter anderem Schrempp, Finanzvorstand Gentz und den heutigen Nutzfahrzeug-Chef Eckhard Cordes. Februar 2003: Daimler-Chrysler fordert, Kerkorians Klage ohne Beweisaufnahme abzuweisen. In einem 74-seitigen Schriftsatz will der Konzern beweisen, dass Kerkorian von Anfang an alle Pläne von Daimler-Benz mit Chrysler gekannt habe. Er habe von höheren Forderungen abgeraten und die Fusion vorzeitig an die Presse verraten, um sie nicht mehr scheitern zu lassen. März 2003: Bundesrichter Joseph Farnan verschiebt seine Entscheidung über die Zulassung der Klage und den möglichen Prozessbeginn von Mai auf Dezember. Vorher muss er sich durch mehrere hunderttausend Seiten Akten arbeiten. Kerkorians Klage gegen DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper wird abgewiesen. August 2003: Daimler-Chrysler schließt einen Vergleich mit früheren Chrysler-Aktionären, die mit den selben Argumenten wie Kerkorian eine Sammelklage über 22 Milliarden Dollar eingereicht hatten, und zahlt ihnen insgesamt 300 Millionen Dollar. Damit sei aber kein Schuldanerkenntnis verbunden, betont der Konzern. November 2003: Richter Farnan entscheidet, den Fall nicht von einer Geschworenen-Jury beurteilen zu lassen, sondern selbst ein Urteil zu fällen. Eine Woche vor dem geplanten Prozessbeginn weist er die restlichen Argumente von Daimler-Chrysler gegen eine Eröffnung des Verfahrens zurück. 1. Dezember 2003: Der Prozess Tracinda gegen DaimlerChrysler beginnt vor dem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Delaware.

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