Die Hoffnungsträger für Yahoo
Erst Flirt, dann Flickr

Ein fast unverschämter Anmachspruch machte aus Caterina Fake und Stewart Butterfield Millionäre – und Hoffnungsträger für Yahoo.

SAN FRANCISCO. In der Liste der skurrilsten Anmachsprüche dürfte Stewart Butterfield ziemlich weit vorne liegen. Im Sommer 2000 sieht er Caterina Fake auf einer Party in San Francisco. Doch die energiegeladene Frau mit dem herzlichen Lachen will so gar nicht auf den zurückhaltenden Interessenten reagieren – ein anderer Partygast interessiere sie mehr.

„Ich war schon enttäuscht, ich hatte mich ziemlich verknallt“, sagt Butterfield heute. Dann der folgenschwere Satz: „Wir sollten zusammen ein Unternehmen starten.“ Fake gefällt der Gedanke: „Stewart hat ziemlich schnell gemerkt, dass man mich nicht mit einem Porsche beeindrucken kann – aber mit der Idee, eine Firma zu gründen, schon.“

Das war der Beginn der Online-Fotoplattform Flickr. 267 Millionen Bilder sind auf ihr heute zu finden, frei zugänglich und eingestellt von den 5,1 Millionen registrierten Nutzern. Täglich kommt eine Million neuer Fotos hinzu. Flickr ist eines der Paradebeispiele für das, was derzeit als Web 2.0 durch die Medien geistert: eine Plattform, auf der die Nutzer Inhalte schaffen und teilen. Doch es ist noch mehr: Das rasante Wachstum macht Flickr zum Hoffnungsträger des angeschlagenen Internetkonzerns Yahoo. Der hat Flickr im April 2005 gekauft. Interessiert waren damals – wie kürzlich bei der Videoplattform Youtube – all die großen Namen, auch Google. Yahoo erhielt den Zuschlag. Für wie viel? Geheim. Experten schätzen, dass der Preis im zweistelligen Millionenbereich lag.

Youtube, Flickr, ist das eine neue Spekulationsblase, diesmal unter dem Obertitel Web 2.0? Fakes Antwort ist eindeutig: „Ja.“ Schon im März hatte sie in einem Weblog davor gewarnt – es hagelte böse Kommentare. „Das zeigt nur, dass ich Recht habe“, sagt die selbstbewusste 38-Jährige. „Welchen besseren Beweis für eine Spekulationsblase gibt es, als Massenwahn?“ Für sie und Butterfield sorgte der Beginn des Wahns für eine schöne Mitgift. Denn die Strategie in Sachen Herzenseroberung funktionierte obendrein. Butterfield wohnte damals in Vancouver, Fake in San Francisco. Aus den Telefonaten über die Geschäftsidee wurde eine Romanze, im Juni 2002 folgte die Hochzeit – und nach den Flitterwochen die Firmengründung.

Das Paar versuchte sich unter dem Namen Ludicorp an Onlinespielen. Als Butterfield mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett lag, kam ihm der Gedanke, die Spieler könnten sich mit Fotos zu erkennen geben: „Das war noch etwas ganz anderes als Flickr. Ein interessantes Nebenprojekt“, grinst der 34-Jährige.

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