Die Journalistin Viola Herms Drath feiert Geburtstag: Extravagant und bestens verdrahtet

Die Journalistin Viola Herms Drath feiert Geburtstag
Extravagant und bestens verdrahtet

Henry Kissinger spricht von Pflichtlektüre. Norman Mailer fragt, ob für Amerikas Leser denn je ein besseres Buch geschrieben worden sei. Die Lobeshymnen müssen zu Konvoluten geschnürt werden.

DÜSSELDORF. Gemeint ist die im Juni erscheinende Neuauflage der Willy-Brandt-Biografie von Viola Herms Drath. Die Erstauflage hatte 1977 für Furore gesorgt: Die damals für das SPD-Blatt „Vorwärts“ arbeitende Journalistin verfasste nicht nur eine faire Würdigung des Staatsmannes, sie durchleuchtete auch dessen „buntes und munteres“ Privatleben. „Das machte man damals nicht“, so die Autorin heute.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt suchen Politiker, Diplomaten, Intellektuelle, amerikanische und andere, engen Kontakt zu Viola Herms Drath. Und finden diesen oft genug in ihrem Haus im noblen Washingtoner Stadtteil Georgetown. Viele aus diesem Kreis werden ihr auch am heutigen Donnerstag die Aufwartung machen, wenn im Dacor Bacon House, einem renommierten Diplomatenclub, die Geburtstagsfete steigt. Glückwunschadressen aus Deutschland schickten unter anderem Karsten Voigt, Koordinator der deutsch-amerikanischen Beziehungen, Horst Teltschik, Sicherheitsberater von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, oder Thomas Pickering, Ex-Staatssekretär im US-Außenministerium.

Ihr Alter will die seit über fünfzig Jahren in den USA lebende Jubilarin nicht verraten. „Schreiben Sie, dass die etwas exzentrische Dame in einem gewissen Alter – das mag um die 75 sein – beschlossen hat, mit dem Zählen aufzuhören“, so ihre Bitte. Ob exzentrisch oder nicht, ein wenig extravagant auf jeden Fall. Wie Barbara Bush lässt sie ihre Garderobe vom New Yorker Couturier Scaasi kreieren. Und ohne einen ihrer großen, breitkrempigen Hüte auf dem „Lolitazopf“ – so respektvoll-spöttisch ein Kollege – kann man Viola Herms Drath so gut wie nie begegnen. Auch nicht, wenn sie zum jährlichen Treffen der Handelsblatt-Korrespondenten in ihre Geburtsstadt Düsseldorf rauschte.

Rund 25 Jahre lang schrieb Viola Herms Drath für das Handelsblatt. Sie analysierte und kommentierte nicht nur die US-Außen- und -Sicherheitspolitik und die transatlantischen Beziehungen, das Multitalent berichtete auch aus der Kunst- und Kulturszene.

Und sie nahm und nimmt sich immer noch Zeit für politische Aktivitäten. So engagierte sich das Mitglied des „National Committee on American Foreign Policy“, ein auch als Kissinger-Runde bekannter Expertenzirkel, als europapolitische Beraterin im Wahlkampf von George Bush senior. Für dessen Team verfasste sie nach intensiven Diskussionen unter anderem mit Willy Brandt, den US-Botschaftern in Bonn, Vernon Walters und Richard Burt, sowie dem stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger im Herbst 1988 ein Memorandum, das mit dem Titel „The Reemergence of the German Question“ zu einem Dokument der Zeitgeschichte werden sollte.

Nachdem Michail Gorbatschow seine Idee vom „gemeinsamen europäischen Haus“ formuliert hatte, stellte sich für die Politikwissenschaftlerin prompt die Frage nach einer deutschen Wiedervereinigung. Sie plädierte – noch vor dem Fall der Mauer – für eine Konferenz der vier Siegermächte mit den beiden deutschen Staaten. Die Formel „Zwei plus vier“ war geboren. Auf diese darf sie mit Fug und Recht das Copyright beanspruchen, das ihr auch ein Hans-Dietrich Genscher kaum streitig machen kann. Die internationale Resonanz war gewaltig. Die Folgen auch: Exakt nach diesem Muster wurde im Februar 1990 in Ottawa die Wiedervereinigung vereinbart.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%