„Die Klage wird abgewiesen“: Dicke Luft in Raum 4304

„Die Klage wird abgewiesen“
Dicke Luft in Raum 4304

Am Freitag war Raum 4304 im Berliner Verwaltungsgericht völlig überfüllt. Zahlreiche Anwälte und ein ganzes Heer internationaler und nationaler Pressevertreter verfolgten dort das Verfahren zwischen Karstadt-Quelle und den Wertheim-Erben. Die Luft war zum Schneiden dick.

HB BERLIN. Mitten drin saß ganz stumm die 72 Jahre alte Wertheim-Erbin Barbara Principe und duckte sich neben ihren Ehemann, einen stämmigen Hühnerfarmer aus New Jersey. Die Spannung fiel allerdings mit einem Schlag ab, als der Vorsitzende Richter sagte: "Die Klage wird abgewiesen." Das damit verbundene Scheitern der Karstadt-Quelle AG war nach jahrelangem Rechtsstreit ein historischer Sieg für die Wertheim- Erben. US-Anwalt Gary M. Osen übersetzte den alles entscheidenden Satz, und Barbara Principe umarmte und küsste ihren Mann.

Mit der Entscheidung geht aus Sicht der Wertheim-Erben ein seit der Zeit der Nationalsozialisten währendes Unrecht zu Ende. Die Überlebenden der jüdischen Kaufmannsfamilie haben in der Konsequenz Aussicht auf Entschädigungen in Millionenhöhe für zahlreiche in den 30er Jahren enteignete Immobilien. In Berlin geht es um sieben Filetstücke im Wert von bis zu 500 Mill. ?.

Vor Gericht ging es vor diesem Hintergrund zwischen den Anwälten politisch und juristisch hart zur Sache. Für die Karstadt-Quelle AG hatte Thomas Schmidt-Kötters die schwere Aufgabe, verbal auf schmalem Grat balancieren zu müssen. Auf der einen Seite machte er dem Gericht fair den menschlichen Respekt gegenüber den Wertheim-Erben und deren persönlichem Schicksal in den vergangenen Jahrzehnten klar. Schmidt - Kötters sagte: "Wir haben große Hochachtung vor den Mitgliedern der Familie Wertheim." Doch gleichzeitig musste er den Erben und deren Ansprüchen entschiedenen Widerspruch entgegenhalten.

Die Gegenseite, das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen und die Jewish Claims Conference, reagierte scharf und gewollt emotional. Rechtsanwalt Stefan Minden sagte in Richtung Karstadt-Quelle-Tisch mit bissiger Ironie: "Sie wissen doch ganz genau, dass Angehörige der von Ihnen hoch geschätzten Wertheim- Familie gestorben sind und Gerechtigkeit doch nur wegen ihrer Klagen nicht mehr erleben konnten." Rechtsanwalt Stefan Langer sagte, dabei nicht weniger persönlich betroffen wirkend: "Es kann doch hier nicht sein, dass, auf die Spitze getrieben, der Ariseur am Ende der Berechtigte auf Entschädigung ist."

Der Vorsitzende Richter versuchte in der aufgeladenen Atmosphäre Ruhe und Stil zu bewahren. Auf den Vorwurf der Karstadt-Quelle - Anwälte, das Verfahren sei durch "massive Medienberichte im Vorfeld belastet, die in der Mehrheit interessenorientiert waren", ging der Vorsitzende nicht ein. Er sagte nur lakonisch: "Wir wollen im Gericht keine Einigung verhindern, aber ich sehe keine zwischen den Parteien, dann vertrauen Sie wohl darauf, dass es uns gelingt, den Fall mit der Machete zu lösen."

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