Die Kölner Universität wollte ihn unbedingt
Ockenfels ist der Musterschüler

In der Kölner Mensa ginge er problemlos noch als Student durch: Axel Ockenfels. Der Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften und Leiter des energiewirtschaftlichen Instituts an der Kölner Universität ist erst 36 Jahre alt.

HB KÖLN. Der schlanke, 1,94 Meter lange Ökonom ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Forschungslandschaft – hoch dekoriert mit Preisen und Ehrungen, überhäuft mit Job-Angeboten aus den USA – die er bisher immer ausgeschlagen hat.

Die Kölner Universität wollte den jungen Spitzenforscher unbedingt für sich gewinnen und bot ihm „hervorragende Arbeitsbedingungen“, wie er es selbst formuliert. Dazu zählt beispielsweise ein modernes Computerlabor. An 32 Plätzen wird dort täglich experimentiert – allerdings nutzt der Spieltheoretiker Ockenfels das Labor selbst „nicht in dem Maße, wie ich es mir wünsche“. Es fehle ihm einfach die Zeit.

Statt im Labor experimentiert Ockenfels in der Realität. Der Ökonom versteigert Produkte bei Ebay und beobachtet, wie sich die Bieter verhalten. Bereits im Jahr 2002 veröffentlichte er zusammen mit Alvin Roth von der Harvard University einen viel beachteten Aufsatz in der renommierten amerikanischen Fachzeitung American Economic Review über den Auktionsmechanismus bei Ebay. Das Fazit: Bereits kleine Änderungen der Auktionsregeln können einen starken Effekt auf den Anreiz haben, ein Gebot erst in letzter Minute abzugeben. Inzwischen hat Ebay den Forscher als Berater engagiert. Im Verlauf dieses Jahres werden die Versteigerungsregeln bei der Auktionsplattform Ebay auf seinen Rat hin geändert.

Ein Hauptinteresse von Ockenfels gilt der Erforschung des Fairness-Begriffs – oder, wie er es selbst formuliert, dessen, was große, anonyme Gesellschaften und Märkte im Innersten zusammenhält. Den ersten Meilenstein dazu hat er im Jahr 2000 zusammen mit Gary Bolton von der Penn State University gelegt. Die beiden veröffentlichten in der American Economic Review eine kurz „ERC“ (Equity, Reciprocity and Competition) genannte Theorie. Der zufolge orientieren sich Menschen nicht nur an ihrem eigenen Nutzen, sondern auch an ihrer relativen Position in der Gesellschaft. Ob sich ein Mensch fair, wettbewerbsorientiert oder wechselseitig kooperativ verhält, hänge letztlich vom institutionellen Rahmen ab.

Das Modell des Homo oeconomicus als stets egoistisch und rational handelnden Menschen ist durch diese Forschungsergebnisse ins Wanken geraten. „Menschen haben ihre eigene Rationalität“, sagt Ockenfels. Studenten, die ein Marmeladenglas ersteigern, das mit Münzen gefüllt ist, überschätzten den Wert des Inhaltes regelmäßig. Dabei lägen die mittleren Gebote noch richtig – aber der Gewinner zahle zu viel. In der realen Wirtschaft hat dieser „Fluch des Gewinnens“ Auswirkungen auf Auktionen von Ölfeldern, Buchmanuskripten oder UMTS-Lizenzen.

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