Die neue Finanzchefin Karin Katerbau treibt den Umbau von Comdirect voran
„Ich will ich selbst sein“

Einen Zahlenmenschen stellt man sich anders vor. Im Base Camp am Fuße des Mount Everest, bevor sie mit dem Rucksack auf dem Rücken geschnallt auf 6 000 Meter Höhe steigt, sieht man die sportliche Frau mit ihrer erfrischend natürlichen Art schon eher. Doch im Arbeitsleben ist Karin Katerbau seit November der neue Finanzvorstand des größten deutschen Online-Brokers Comdirect. Den Mount Everest besucht sie nur in ihrer Freizeit. Aber auch im Job sprüht sie vor Tatendrang.

FRANKFURT/M. Am Montag wird die Frau mit den fransig-frechen Haaren in Frankfurt zum ersten Mal gemeinsam mit Vorstandschef Andre Carls die Zahlen der Comdirect vor der Presse und den Analysten präsentieren. Keine allzu schwierige Aufgabe. Denn der Online-Broker, den in Deutschland mehr als 600 000 Kunden nutzen, wird nach Schätzungen von Analysten seine Prognose von 50 Millionen Euro Gewinn vor Steuern übertroffen haben. Das Ergebnis hat Katerbau allerdings als Finanzchefin nur für die letzten zwei Monate zu verantworten.

Spannender wird es in den kommenden Quartalen, wenn sie die Ergebnisse des Geschäfts präsentieren wird, die unter ihrer Führung entstanden sind. Dabei wandelt sich Comdirect vom reinen Online-Broker zur vollständigen Bank mit Girokonto, Kreditkarte und Beratung. Ein Wandel, den sie im neuen Führungsduo mit vorantreiben will.

Wenn sie – im 47. Stock des Turms der Muttergesellschaft Commerzbank mit Blick auf die Winterlandschaft um Frankfurt und die Schornsteine von Offenbach – von ihrer Arbeit spricht, leuchten ihre Augen. In ihrem sportlichen Anzug mit buntem T-Shirt setzt sie sich von dem blau-grauen Einheitsstil der Frauen in der Finanzwelt ab. Statt Perlenkette trägt sie großen, farbenfrohen Schmuck.

Selbstbewusst erzählt sie mit ihrer kräftigen, aber warmen Stimme von ihrem Werdegang: wie sie bei einem Studienaufenthalt mit Praktikum in Reims zur Champagner-Expertin wurde. Wie sie von dort mit 24 Jahren im Rahmen eines Uni-Projekts Lizenznehmer in Südostasien für einen französischen Kleidungshersteller fand. Wie sie für die Commerzbank in Budapest die Firmenkunden betreut hat. Wie sie in den späten 90er-Jahren im Investment-Banking der Commerzbank Zertifikate und Optionsscheine entwickelte, bevor der Ruf zum Online-Broker Comdirect kam.

„Spannend“ sei es gewesen, als sie die Gesamtbank-Steuerung neu ausgerichtet haben. Auch das „Ergebnisstabilisierungsprogramm im September 2002“ hat sie noch lebendig in Erinnerung, „als die Bank kräftig umgekrempelt“ wurde. Und man nimmt ihr ab, dass sie dabei Spaß hatte.

„Powerfrau“ ist das Wort, dass der Betriebsrätin Angelika Kierstein zu ihrer neuen Finanzchefin einfällt. Dabei beschränkt sich ihre Power nicht auf die Zahlen, ihr geht es darum, stets etwas Neues zu machen. „Chief Financial Officer bei Comdirect ist deutlich mehr als nur Finanzen“, erklärt Katerbau. Da sei auch Organisation, Personalwesen, Revision, Risikomanagement und das institutionelle Geschäft, freut sie sich über das breite Spektrum ihrer neuen Aufgabe.

„Ich bin nicht nur die Frau für die Zahlen“, betont sie, und dass sie Vielfalt brauche. „Ich brauche immer was zu denken“, sagt sie und lacht, „Futter für die grauen Zellen“. Und was sie zu Ende gedacht hat, setzt sie um. Ihren Management-Stil bezeichnet Katerbau als ehrlich und gradlinig. „Ich brauche Diskussion, Gegenmeinungen, auch wenn ich dann vielleicht die andere Richtung wähle“, sagt sie. Das bestätigen ihre Kollegen. „Sie kann Menschen motivieren und ist sehr teamfähig“, attestiert ihr Betriebsrätin Angelika Kierstein.

„Sie bringt Power ins Team“, sagt auch Andre Carls, der bis November ihren Job gemacht hatte, bevor er zum Vorstandsvorsitzenden berufen wurde, weil wiederum sein Vorgänger Achim Kassow zum Privatkunden-Vorstand der Commerzbank befördert wurde. „Sie ist sehr engagiert, teamorientiert, zuverlässig und entscheidungsfreudig. Sie will etwas bewegen“, sagt er. Und dass es Spaß mache, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Ob sie je Probleme hatte, als Frau weiterzukommen? Vielleicht ganz am Anfang – in der Bankausbildung. Da war sie die Jahrgangsbeste, und der Ausbildungsleiter hat ihr ins Gesicht gesagt, dass sie eigentlich eine tolle Karriere machen könnte: „Aber da wäre ein Hindernis: Sie sind eine Frau.“ Doch in ihrer späteren beruflichen Laufbahn sei das kein Thema mehr gewesen.

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