Die reichsten Deutschen
Aldi-Gründer brüderlich vereint

Mit der Vorliebe der Deutschen, vor allem Lebensmittel so günstig wie nur möglich einzukaufen, sind die Aldi-Gründer Theo und Karl Albrecht zu den reichsten Männern Deutschlands geworden. Ein Blick hinter die verschwiegenen Kulissen des Handelsimperiums.
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Langsam rollt die dunkle S-Klasse-Limousine auf den Parkplatz des Rewe-Marktes der sauerländischen Kleinstadt Attendorn. Während der Fahrer sitzen bleibt, steigt aus dem Fond des Wagens ein großgewachsener, hagerer, weißhaariger älterer Herr mit dunklem Anzug, weißem Hemd und Schlips, fragt eine Passantin nach dem Aldi-Markt und macht sich auf den kurzen Fußweg.

"Mein Name ist Albrecht, Theo Albrecht", stellt er sich einer Mitarbeiterin der Aldi-Filiale vor. Die Verkäuferin hat keinen blassen Schimmer, wen sie vor sich hat, hält den freundlichen älteren Herrn für einen Kunden, stellt sich ihrerseits vor und plaudert mit ihm. Der Gründer des Essener Discountimperiums kennt diese Situation, erklärt, wer und was er ist und hält der verdutzten Mitarbeiterin seinen Personalausweis unter die Nase. Von da an weicht sie nicht mehr von seiner Seite.

Der Senior inspiziert den Laden. Er moniert ein paar leere Kartons, das brennende Licht im Lager und im Büro des Filialleiters, obwohl sich dort niemand aufhält, trägt sich ins Besucherbuch ein und fragt nach dem Weg zur nächsten Aldi-Filiale. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei.

Kaum einer der knapp 40 000 Aldi-Mitarbeiter hat Theo und seinen Bruder Karl Albrecht jemals zu Gesicht bekommen. Bis heute gab es nur Fotos der Senioren, die knapp 20 Jahre alt waren. Seit der Entführung von Theo im Jahr 1971 ist der Albrecht-Clan doppelt auf der Hut. Im Essener Nobelvorort Bredeney verschanzen sich Karl, 83, Theo, 81, und ihre Söhne Karl jr., Theo jr. und Berthold hinter meterhohen Mauern und Hecken - überwacht von hochmodernen Infrarotbewegungsmeldern und Überwachungskameras.

Theo und Karl gehören zu den reichsten Menschen auf diesem Planeten. Das amerikanische "Forbes"-Magazin schätzt das Vermögen der Brüder auf 25,6 Milliarden Dollar, gleich hinter dem von Microsoft-Gründer Bill Gates (40,7 Milliarden) und Investmentguru Warren Buffett (30,5 Milliarden Dollar). Seit 1992 hat sich ihr geschätztes Vermögen verfünffacht.

Und es dürfte sich weiter rasant vermehren. Denn nun holen die geizigen Brüder zu weiteren Schlägen gegen die Wettbewerber aus. Vor rund drei Wochen hat Aldi Nord testweise mit dem Verkauf von vorverpacktem Frischfleisch wie Gehacktes oder Schnitzel begonnen. In Kürze dürften auch die Verträge mit Kreditinstituten unter Dach und Fach sein. Dann kann der Aldi-Kunde zumindest größere Beträge wie für Computer, Fernseher oder Fahrräder mit seiner EC-Karte bezahlen.

Oder seine Urlaubsreise. Denn auch in dieses lukrative Segment soll Aldi angeblich seine Fühler ausgestreckt haben. Der so genannte Direktvertrieb von Reisen boomt, und Aldi wird dieses Geschäft kaum Konkurrenten wie Tengelmann, Tchibo oder Aral überlassen.

Weiter zu Teil II: Ein geteiltes Imperium

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