Die Sanierung der Hypo Real Estate Holding
Der Erbe der Problemkredite

Georg Funke ist Chef der Hypo Real Estate Holding. Um die Bank auf Vordermann zu bringen, muss er knallhart sanieren.

FRANKFURT. Meine Mitarbeiter müssen mir auf einer Seite vorrechnen können, warum wir einen Kredit vergeben sollen oder nicht.“ Georg Funke ist Pragmatiker. Der Chef der Hypo Real Estate Holding will Ergebnisse sehen – die technischen Details in den umfangreichen Darlehensverträgen, mit denen oft genug Millionen bewegt werden, interessieren ihn weniger.

Im grauen Anzug, den akkurat frisierten dunklen Haaren und der rechteckigen Brille wirkt Funke so bieder wie ein deutscher Ministerialdirigent, doch hinter der korrekten Fassade verbirgt sich ein gradliniger Investmentbanker angelsächsischer Prägung, der schnell genervt ist vom deutschen Bürokratismus und vom Prestigedenken in vielen heimischen Führungsetagen.

Das ist die eine Seite des 47-Jährigen, die andere ist sein Verkaufstalent. Wenn er von seiner neuen Bank erzählt, von Immobilien-Transaktionen in den USA oder Asien, dann spricht Funke ohne Punkt und Komma, dann folgt blitzschnell ein Argument auf das andere – so schnell, dass er sich selbst in Begeisterung redet. Fast vergisst man, welch schwierige Aufgabe Funke übernommen hat.

Voraussichtlich am 6. Oktober wird die Hypo Real Estate von der bisherigen Mutter, der Münchener Hypo-Vereinsbank (HVB), in die Selbstständigkeit entlassen. Nicht ganz freiwillig: HVB-Chef Dieter Rampl lädt die zuletzt verlustreiche zweitgrößte gewerbliche deutsche Immobilienbank an der Börse ab, weil er dringend die Risikoaktiva reduzieren muss, um so neues Kapital für die Mutter frei zu machen.

Funkes Job ist es, aus drei Bereichen – dem internationalen Geschäft in Dublin, der WürttHyp und der deutschen Hypo Real Estate – etwas Neues, Wertvolles zu machen. Das heißt knallharte Sanierungsarbeit, denn im 124 Milliarden Euro schweren Immobilienportfolio schlummern noch reichlich Problemkredite. Funke muss die Sünden der Vergangenheit ausbaden; leichtsinnige Finanzierungen von Gewerbeimmobilien wie Bürohäusern oder Einkaufszentren brachten die HVB-Sparte in schwieriges Fahrwasser. Vor allem die faulen Darlehen und margenschwachen Kredite der deutschen Tochter muss Funke aus den Büchern bekommen. Das Neugeschäft hat er praktisch eingestellt.

„Wir fahren das Geschäft im Inland drastisch herunter, die Zukunft liegt im Ausland“, macht der Manager klar. Funke will den trägen deutschlandlastigen Immobilienfinanzierer im Rekordtempo in eine auf Großtransaktionen und Projektarrangements in aller Welt spezialisierte Investmentbank verwandeln. Mit diesem Geschäft hat die Bank im vergangenen Jahr immerhin 350 Millionen Euro verdient.

Das Konzept entspricht exakt Funkes Naturell. Geprägt haben ihn die Jahre, die er in der Londoner City verbracht hat. Über zehn Jahre arbeitet er für die HVB im Finanzzentrum an der Themse und lernte dort den verbindlichen aber direkten und pragmatischen Stil der angelsächsischen Banker zu schätzen. Dieser Stil wird auch die neue Hypo Real Estate prägen: Die Holding wird zwar in München sitzen, doch das Herz der Bank soll in Dublin schlagen. In München hat Funke reichlich Platz in seinem Vorstandsbüro mit Blick auf die Alpen. „In Dublin arbeite ich auf wenigen Quadratmetern“, erzählt der Banker. Aber er lässt keinen Zweifel, wo es ihm besser gefällt. In Irland will er auch mit seiner Familie leben.

Seine Mitarbeiter trauen ihm die Operation der Hypo Real Estate bei laufendem Bankbetrieb durchaus zu. „Funke weiß genau, was er will, nimmt kein Blatt vor den Mund und trifft schnelle Entscheidungen“, erzählt einer, der ihn während der Abspaltung begleitet hat.

Die große Frage ist allerdings, ob auch die neuen Eigentümer an Funkes Vision glauben. Ab Oktober werden alle Aktionäre der HVB für jeweils vier Aktien eine Aktie der Hypo Real Estate bekommen. Doch bei weitem nicht alle werden glücklich darüber sein, plötzlich Anteile an einer Immobilienbank zu halten, auch wenn Funke zuletzt versprochen hat, dass alle drei Bereiche in diesem Jahr unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben werden.

Bankenkreise gehen davon aus, dass in den ersten Monaten nach der Trennung von der Mutter weit über ein Viertel der Real-Estate-Aktien auf den Markt geworfen werden. Auch Funke räumt ein, dass der Kurs der neuen Gesellschaft „zunächst einmal unter Druck zu geraten droht“.

Er weiß, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sein Verkaufstalent zu nutzen, um so schnell wie möglich so viele neue Anleger wie möglich zu überzeugen. Die sollen, wie könnte es anders sein, vor allem aus dem Ausland kommen. „Internationale Investoren sind mit dem Konzept der Immobilien-Investmentbank schon vertraut“, meint Funke. Bei deutschen Analysten scheint das Verständnis für das Modell dagegen noch nicht so ausgeprägt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass viele HVB-Aktionäre dieses Geschäft nicht besonders mögen“, meint Konrad Becker, Bankenanalyst bei Merck Finck.

„Wir müssen einfach klar machen, dass es sich bei der Abspaltung von der HVB um eine echte Trennung handelt“, sagt Funke. Ob das schon reichen wird, ist allerdings alles andere als sicher. Als die Depfa Bank im vergangenen Jahr in einer ähnlichen Transaktion die Aareal Bank abspaltete, brach der Kurs des neuen Instituts erst einmal um rund 30 Prozent ein.

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