Die Spitze der Credit Suisse
Die Früchte der Folgsamkeit

Den schmalen, viel zu blassen Mann im taillierten Anzug hatte kaum jemand auf der Rechnung gehabt. Wenn Brady Dougan in den vergangenen Jahren etwas in der Öffentlichkeit sagte, dann nur, wenn ihm sein Chef Oswald Grübel dazu vorher das Wort erteilt hatte. Wie Dougan es an die Konzernspitze von Credit Suisse schaffte.

oli DÜSSELDORF. Stets erschien der New Yorker Brady Dougan wie ein Fremdkörper in der Riege der Schweizer Vorstandskollegen. Ein Investmentbanker eben und kein Vermögensverwalter, wie sie in der Schweiz so sehr geschätzt werden. Und die Ergebnisse, die er in Zürich ablieferte – nun ja, sie ließen im Vergleich zu dem, was die Vermögensverwalter zu bieten hatten, auch noch Wünsche offen.

Schnee von gestern. Der 47-jährige Dougan ist der neue Mann an der Spitze der Credit Suisse. Er will den Konzern zu einer der führenden Banken der Welt ausbauen: „Wir haben die richtigen Leute, wir haben die richtige Plattform, wir haben die richtige Strategie“, sagt er, wobei diese Worte allerdings nicht nach einer mitreißenden Wahlkampfrede klingen, sondern eher wie die Feststellung eines Schülers, der bis in die Nacht gebüffelt hat und nun weiß, dass er für die Klassenarbeit morgen gut gerüstet ist.

Als „fleißiger Arbeiter“ gilt er innerhalb des Konzerns, für den er seit 17 Jahren in aller Welt unterwegs ist. Seine Berufung zum Chef der Investment-Abteilung vor knapp drei Jahren bedeutete Knochenarbeit, die ihm anzusehen ist. Der Bereich trug den einst glanzvollen Namen First Boston und führte ein Eigenleben, das Dougans Vorgänger John Mack noch gefördert hatte. Als Mack ging, nahm Grübel den Bereich an die ganz kurze Leine. Der Name „First Boston“ verschwand ebenso wie der ein oder andere allzu selbstherrliche Mitarbeiter. Dougan hat sich dagegen nicht gewehrt. Jetzt erntet er die Früchte seiner Folgsamkeit.

Zu Tugenden wie Treue und Tüchtigkeit kommt Glück dazu: Dougan hat als Spitzen-Investmentbanker bislang keinen Konjunkturabschwung überstehen müssen. Seit er die Abteilung leitet, hat die Investmentbank ihren Gewinnbeitrag von zwei Mrd. auf nun knapp sechs Mrd. Franken verdreifacht. Der Amerikaner steuert mit seinem Bereich damit jetzt etwa ebenso viel zum Gewinn der Gruppe bei wie die etablierten Schweizer Kollegen mit ihrer Vermögensverwaltung. Da wird das, was als Nachteil galt, schnell zum Vorteil und der Außenseiter zum Spitzenreiter, weil er sich nicht in Züricher Machtspielchen verstrickt. „Brady“ nennen sie ihn hier nun schon mit jenem amerikanischem „Du“.

„Er ist eindeutig der beste Kandidat, der sich innerhalb der Bank finden lässt“, sagt deswegen beispielsweise Florian Esterer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Swisscanto. „Natürlich“, so schränkt er ein wenig bedauernd ein, „ist er nicht ein so starker Charakter wie Grübel, aber er ist sicher in der Lage, Dinge voranzutreiben.“

Als oberster Investmentbanker soll ihm der 46-jährige Paul Calello folgen, der bislang den Asien-Pazifik-Raum für die Credit Suisse bearbeitete und damit in der wichtigsten Wachstumsregion Gelegenheit hatte, auf sich aufmerksam zu machen. Robert Shafi kommt von Lehman Brothers zur Credit Suisse und wird Chef der Region Amerika, die Dougan bislang ebenfalls führte.

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