Die Unternehmen unterschätzen die Bedeutung der Personaler – und die meisten von ihnen stört das nicht mal
Der Weg zum gleichberechtigten Partner ist weit

Die Personalabteilungen in den Unternehmen müssen kämpfen – um ihre Rolle. Das zeigen die Antworten aus den Personalabteilungen von 44 Unternehmen in Deutschland – unter ihnen die AOK, der WDR, Schering, Deutsche Post und Europcar – die Kienbaum Consultants International in Gummersbach befragt hat.

HB DÜSSELDORF.Die Traumrolle der Personaler, so das dem Handelsblatt exklusiv vorliegende Ergebnis, ist das des Business Partners für die Linienmanager: 93 Prozent der Personalverantwortlichen möchten ihre Kollegen in Produktions- und Dienstleistungsfunktionen partnerschaftlich bei der Entwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie unterstützen. „Nur 16 Prozent aller Befragten meinen, dass sie diese Rolle momentan ausfüllen“, sagt Kienbaum- Projektleiter Jens Bäumer.

Dabei geben sich die Personaler alle Mühe: 70 Prozent sagten, die Strategie ihres Bereichs sei thematisch und methodisch in der Unternehmensstrategie verankert, er setze also die Ziele der Firma in personelle Maßnahmen um. Doch es gibt Selbstzweifel: Nur ein Viertel der Befragten hält die strategische Ausrichtung ihrer Personalabteilung für sehr erfolgreich; bei 40,5 Prozent ist dies „nicht oder eher nicht“ der Fall. „Die Ableitung konkreter Ziele für die Human Ressources aus der Personalstrategie erweist sich als problematisch“, meint dazu Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann und kritisiert: „Diese Tatsache läuft dem Trend zuwider, dass HR-Abteilungen ihren Wertschöpfungsbeitrag klar aufzeigen müssen.“ Dies gelinge ihnen mehr oder weniger, meinen 68 Prozent der Befragten. Hier aber meldet Berater Bäumer Zweifel an: „In Studien zeigt sich immer wieder, dass sich die Personalbereiche stärker einschätzen als sie die Geschäftsleitung wahrnimmt.“

Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung ist für die Berater die Wahrnehmung einer „Service-Center“-Rolle, die Bäumer als „kostengünstige Abwicklung administrativer Personalserviceleistungen“ definiert, bei der die Führungskräfte einen festen Ansprechpartner im Personalbereich haben: „71 Prozent der Personalverantwortlichen halten diesen Ansatz für wichtig, aber nur ein Drittel kann sie aktuell realisieren.“ Dabei dürfte hier die Zukunft liegen: „Das Personalmanagement muss effizienter werden und mit weniger Stellen auskommen“, ist Hans Böhm, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung überzeugt. Gleichzeitig warnt Böhm vor der Irrweg, die Personalfunktion durch Auslagerung aller Verwaltungsaufgaben zu verschlanken und die inhaltliche Verantwortung für den Bereich irgendwo bei einer Führungskraft unterzubringen: „Das bedeutet einen Verlust an Professionalität und Koordination.“ Führungskräfte bräuchten fachkundige Unterstützung aus dem eigenen Haus – „sonst liefern sie sich Beratern aus“.

Als Ausweg aus der betrüblichen Lage hat Wolfgang Weber, der an der Universität Paderborn Betriebswirtschaftslehre unterrichtet, die neuen Studiengänge ins Auge gefasst: „Ich setze auf das neue Bachelor-/ Master-System.“ Um in der Geschäftsleitung anerkannt zu werden, brauche der Personalchef eine solide wirtschaftswissenschaftliche Grundbildung, die der Bachelorstudiengang vermitteln könnte. Dazu müssten dann „hochrangige Master- Studienangebote kommen, die den Umgang mit dem Spezialwissen auf Gebieten wie Labor Economics, Humankapitaltheorie oder interne Arbeitsmärkte bieten.“

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