Die Willkür der Insolvenzrichter kommt ans Tageslicht
Gerichte bestimmen Insolvenzverwalter willkürlich

Mitten im Sommerloch kam Schelte vom Bundesverfassungsgericht für die Insolvenzrichter. Weil bei ihnen immer nur dieselben Insolvenzverwalter zum Zuge kommen. Diejenigen, die auf ihren gerichtsinternen Kandidatenlisten stehen, wo sie nach Gutdünken landen.

Jedoch: "Das Urteil wird gar nichts verändern", fürchtet Rechtsanwalt Norbert Landwehr von Struktur & Management in Köln. Er berät Firmen in der Krise und sorgt dafür, dass der Insolvenzverwalter erst gar nicht kommt. Seine Kritik: "Karlsruhe hat nur über die Vorauswahl einzelner Insolvenzverwalter in eine allgemeine Liste entschieden. Bei der eigentlichen Bestellung haben die Gerichte nach wie vor freie Hand. Obwohl es wichtig gewesen wäre, die Bunkermentalität der alten Verwalter zu sprengen." Der Missstand bleibt.

Und noch mehr läuft derzeit schief, so Landwehr: "Es gibt nicht mal eine vernünftige Auswahl. Einige der bestellten Insolvenzverwalter können noch nicht einmal Bilanzen lesen." Und er moniert, dass viele Verwalter die Unternehmen gleich zerschlagen und die einzelnen Unternehmensteile dann - auch gegen die Interessen der Gläubiger - unter Wert veräußern. Denn den Verwaltern - Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater - fehlen oft erforderlichen Branchenkenntnisse und Erfahrungen. Es ist eben ein großer Unterschied, "ob man ein Produktions- oder ein Handelsunternehmen durch die Insolvenz begleitet", erklärt Landwehr.

Bisweilen stehen sich auch Gerichte und Verwalter zu nah. So kam kürzlich ein Insolvenzrichter selbst vor den Kadi, der sich einen Privat-Pkw über den Insolvenzverwalter zu Sonderkonditionen direkt aus der Insolvenzmasse gekauft hatte. Volker Römermann vom Institut für Insolvenzrecht in Hannover ergänzt: "Die Intransparenz der Insolvenzverwalter-Wahl bedingt derartige Grauzonen."

Doch ob alle 1 400 Insolvenzberater überhaupt wollen, ist die zweite Frage. Die Insolvenzverwalter, die das Gericht mit einer einträglichen Firmenpleite bedenkt, müssen auch unlukrative Verbraucherinsolvenzen übernehmen - allein im Jahr 2003 waren das über 29 000. Für die gibt es nur 300 bis 600 Euro. Insolvenzverwalter Michael Pluta aus Ulm schimpft: "Bei jeder Verbraucherinsolvenz legt der Verwalter im Schnitt 1 000 Euro drauf."

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