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Die zwei Gesichter des Herrn Meine

Locken und drohen: Hartmut Meine, Verhandlungsführer der IG Metall im Tarifstreit bei VW, hat 20 Jahre Kampferfahrung. Als er seine rote Krawatte aus dem Schrank geholt hat, dürfte ihn eine Mischung aus Anspannung und Vorfreude überkommen haben. Für Hartmut Meine ist Kampfzeit.

HB WOLFSBURG. Er ist froh, dass es endlich losgeht. Er weiß aber auch, dass es hart wird. Und die rote Krawatte ist sein persönliches Symbol für solche Zeiten. Er trägt sie bei jedem Tarifstreit. Sie wird erst wieder im Schrank verschwinden, wenn er die Verhandlungen zu Ende gebracht hat. Dieses Mal könnte die Rotphase lange dauern – bis in den November. Die Gewerkschaft will Härte zeigen. Gestern noch hat er gesagt, man werde VW „vor sich hertreiben“. Zuvor hatte der VW-Vorstand damit gedroht, 30 000 Jobs abzubauen, wenn die Gewerkschaft nicht spurt.

Die rote Krawatte. Das Markenzeichen ist dabei, wenn Meine am Mittwoch Nachmittag nach der ersten Runde der VW-Tarifverhandlungen mit ernster Miene und tiefer Stimmen vor die Kameras tritt, in Mikrofone spricht oder griffige Formeln und Forderungen in Schreibblöcke diktiert. Er ist in Hannover das Gesicht der IG Metall, und er vertritt als Verhandlungsführer rund 103 000 VW- Beschäftigte.

Der 52-Jährige ist Tarifprofi. Er weiß, dass er dieses Mal seine gesamte Erfahrung aus 20 Jahren Tarifauseinandersetzung aufbieten muss. Nach dem Debakel der IG Metall im Kampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland und nach den schmerzlichen Kompromissen bei Daimler-Chrysler und Siemens richten sich die Hoffnungen der Frankfurter Gewerkschaftszentrale nun auf ihn.

Man merkt ihm an, dass er die Bürde spürt, heißt es aus seinem Umfeld: Sein privat eher lockeres Auftreten wird für die nächsten Wochen dem Machtgehabe des Funktionärs weichen, seine Bereitschaft zur Kooperation wird zumindest in der ersten Phase der Verhandlungen hinter der Gewerkschaftsrhetorik zurückstehen. „Doppeltes K“ nennt er die Strategie: Konflikt und Kompromiss. Er scheue keinen Streit, um seinen Zielen Nachdruck zu verleihen, suche aber den Kompromiss, um ein tragfähiges Ergebnis zu erzielen.

Sein Hauptauftrag aus Frankfurt lautet: Flagge zeigen. Für Meine, der intern eine stärkere Öffnung der Gewerkschaften für die Belange der Angestellten fordert, kein Problem. „Jetzt wird’s hammerhart“, lässt er in der IGM-Postille ankündigen. „Wir lassen uns nicht abzocken“, hat er bereits zuvor getönt. Tradition verpflichtet: Schließlich war sein Vorgänger Jürgen Peters, heute Chef der IG Metall. Er hat zum Teil bei VW die Besitzstände herausgehandelt, um die nun gefeilscht wird. Meine war als Tarifexperte einer seiner engsten Mitarbeiter. Als Peters 1999 nach Frankfurt ging, nahm er seinen Platz ein.

Meine ist ein gewiefter Taktiker, der den Machterhalt seines eigenen Arbeitgebers immer im Hinterkopf hat. Doch „Hardliner“ nennen ihn nicht einmal seine Gegner. Auch wenn er sie in Verhandlungen schon mal brüskiert, in dem er Gesprächsrunden mit barschen Worten vorzeitig abbricht, wenn er das Gefühl hat, die Gegenseite „eiert herum“.

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