Dieter Langendörfer: Dem Ohr von Volkswagen entgeht nichts

Dieter Langendörfer
Dem Ohr von Volkswagen entgeht nichts

Die Wissbegier von Dieter Langendörfer, Sicherheitschef von VW-Großaktionär Ferdinand Piëch, fürchten selbst Vorstände. Von 1996 bis 2006 Sicherheitschef des VW-Konzerns, hatte vor Langendörfer und seinem Informationsnetz sogar der selbst nicht zimperliche VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard gehörigen Respekt.

DÜSSELDORF. Natürlich war VW -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am Wochenende zur Automesse in Detroit - und natürlich war sein Sicherheitschef Dieter Langendörfer mit von der Partie. "Mit dem möchte man keinen Streit haben", sagt ein Beobachter über den Mann mit der Statur eines Boxers. Im Braunschweiger Landgericht bahnte Langendörfer dem VW -Patriarchen vergangene Woche den Weg in den Gerichtssaal, in dem Piëch als Zeuge zur VW -Affäre vernommen wurde.

Den ehemaligen Hamburger Paradepolizisten fürchten Feind - und Freund. Auf dem Höhepunkt der VW -Affäre um Tarnkonten, Liebesdienste auf Firmenkosten und Sonderboni für den Betriebsratschef schwärmten Langendörfer und seine Werksdetektive im Jahr 2005 aus, sammelten eifrig Material. Dem damaligen VW -Vorstandschef Bernd Pischetsrieder war augenscheinlich nie ganz wohl bei Langendörfers Ermittlungsmethoden. Pischetsrieder soll heute in Braunschweig als Zeuge im Prozess um die VW -Affäre aussagen.

Die ungewöhnliche Karriere des 57-jährigen Sicherheitschefs böte Stoff für mehrere "Tatort"-Folgen. Der versierte Kriminalist, der einst die "Hell?s Angels" verdeckt ausspionierte, erwirbt sich als Chefermittler im Fall des Ende März 1996 entführten Tabakerben und Privatgelehrten Jan Philipp Reemtsma einen Ruf wie Donnerhall. Der dringt auch nach Wolfsburg, wo der damalige VW -Vorstandschef Piëch herrscht. Der Porsche -Enkel habe stets ein großes Sicherheitsbedürfnis gehabt, sagen Weggefährten. Als Langendörfer sich mit Hamburgs Polizeichef und dem Innensenator überwirft, macht Piëch ihn im Herbst 1996 zum Sicherheitschef des Autokonzerns. Fortan passiert auf dem Wolfsburger Werksgelände wenig Bedeutendes ohne Langendörfers Wissen. Sein erster Fall: Auf der VW -Teststrecke in Ehra-Lessien bei Wolfsburg will der Autokonzern eine automatische Spionagekamera in einem Erdhügel entdeckt haben.

Die Angst vor Langendörfers angeblicher Allmacht geht so weit, dass vorsichtige Topmanager Brisantes nicht im Büro, am Diensttelefon oder Firmenhandy besprechen. Ein VW -Vorstand hatte für vertrauliche Gespräche Pre-paid-Karten in der Tasche. "Komische Zeichen" hätten ihm Kollegen bei einem Essen im Wolfsburger Gästehaus gemacht, berichtet ein VW -Manager über seine ersten Tage im Konzern - als er noch Kritik äußerte.

Auch VW -Töchter stehen unter Beobachtung. "Es war ein offenes Geheimnis, dass Räume verwanzt waren", berichtet ein Ex-Manager von Audi in Ingolstadt. "Ich habe Vorstände im strömenden Regen die Köpfe unter dem Schirm zusammenstecken sehen."

Der Patriarch hat große Angst vor der scheinbaren Skrupellosigkeit seiner Feinde - entsprechend baut Piëch vor. Mit der heiklen Aufgabe ist Langendörfer betraut. "Bei wichtigen Sitzungen hat er in einem Nebenraum gesessen und mit modernstem Gerät überprüft, ob abgehört wurde", sagt ein Beteiligter. In Piëchs Hotels wurden die Zimmer vorab durchsucht und dann versiegelt. "Das ist nun mal die Aufgabe eines Sicherheitschefs", sagt ein VW -Sprecher. Dass abgehört worden sei, nennt er "ein Märchen". Langendörfer ist als Sicherheitschef des Konzerns inzwischen pensioniert. Nun kümmert sich der Ex-Oberleutnant noch intensiver um das Schutzbedürfnis seines Chefs Piëch.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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