Dieter Pötsch
Der unschätzbare VW-Finanzchef

Die derzeit mit Abstand wichtigste Rolle innerhalb des VW-Vorstands spielt für Konzernchef Martin Winterkorn derzeit sein Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Konsequent sorgt der 58-Jährige dafür, dass Volkswagen trotz Autokrise, Kauf von Porsche und vielleicht auch Karmann, flüssig bleibt.
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HAMBURG. Die Risikofreude von Hans Dieter Pötsch lässt sich exakt beziffern. Das äußerste Wagnis, das der VW-Finanzchef einzugehen bereit ist, „liegt bei null“, sagt der 58-Jährige, kommt das Gespräch auf den Kraftakt der Porsche-Übernahme durch VW.

Fast 16 Milliarden Euro ist der Deal mit Porsche unter dem Strich schwer. In der Konzernkasse hat Pötsch aktuell 13,4 Milliarden Euro gebunkert. Weitere vier bis acht Milliarden Euro will er über eine Kapitalerhöhung auf Basis der stimmrechtslosen VW-Vorzugsaktien reinholen. Auf einer Sitzung des Aufsichtsrats am 11. November legt VW die Details fest. Bis zum Ende des Jahres sollen 49,9 Prozent am Sportwagenbauer in Wolfsburger Hand sein.

Offene Rechnungen oder gar Unsicherheiten schätzt der Zahlenmann wie Bauchweh. „Robust“ gehört zu seinen Lieblingsbegriffen. Kein Wunder, dass der designierte Porsche-Finanzvorstand – in Personalunion zu seinem Job bei VW – kein rechtliches Risiko eingehen möchte, bevor er mit seinem Chef Martin Winterkorn in den Vorstand der Porsche Holding SE einzieht. Immerhin sollen die Verträge „bald fertig sein“, mit denen VW die Transaktion Ende des Jahres abwickeln möchte, wie Pötsch am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen sagte. Branchenkreise rechnen mit einem Einzug des Wolfsburger Führungsduos in den Stuttgarter SE-Vorstand noch vor Volkswagens außerordentlicher Hauptversammlung am 3. Dezember. Winterkorn verlässt sich auf seinen Finanzchef, schätzt dessen Sachkenntnis und Loyalität.

Auf den ersten Blick entspricht Pötsch dem Klischee des Nummerndrehers bis zur Karikatur. Der hochgewachsene Österreicher ist zahlenorientiert, nüchtern bis dröge. Doch jedem Vorurteil über selbstgefällige Manager liefert er ein Gegenbild. Der geradlinige Mann braucht die Bühne der Öffentlichkeit nicht, hält sich gern im Hintergrund. Angesichts der „unsicheren Welt“ findet er, VW sei „klug beraten, vorsichtig zu bleiben“.

Manager wie Pötsch tragen Hemden mit eng anliegendem Tab-Kragen, der den Krawattenknoten niemals verrutschen lässt. Bei allem standesgemäßen Statusbewusstsein zählen für Pötsch innere Werte. Die stählerne Omega-Armbanduhr mit Gravur trägt er seit 37 Jahren – ein Geschenk seiner Eltern zum 21. Geburtstag. Ihm gehe es um Werte, nicht um äußeren Glanz, sagen Vertraute. Pötsch wolle sich durch Ergebnisse profilieren.

So zurückhaltend Pötsch auftritt, innerhalb des VW-Vorstands spielt er für Konzernchef Winterkorn derzeit die mit Abstand wichtigste Rolle. Egal ob Porsche-Kauf, Verhandlungen um eine Übernahme von Karmann oder Lkw-Allianz zwischen der VW-Tochter Scania und MAN – jedes wichtige Projekt landet auf seinem Schreibtisch.

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  • Pötsch ist einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands und er hat es geschafft den undurchsichtigen VW-Konzern finanziell auf Spur zu bringen.

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