Dieter Rampl
Der lange unterschätzte Königsmörder

Allzu gut kommt im Nachhinein der Königsmord an Unicredit-Vorstandschef Alessandro Profumo nicht an - erst recht nicht an der Börse. Dieter Rampl muss nicht nur Kritik einstecken, sondern als Interimschef auch schnell einen Nachfolger finden.
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MAILAND. Am Tag nach dem Sturz des Unicredit-Vorstandschefs Alessandro Profumo steht dessen Gegenspieler Dieter Rampl vor den Trümmern der eigenen Tat. Die Börse zeigte gestern deutlich, was sie von dem Königsmord bei Unicredit hält: nichts. Die Aktie gab erneut nach. Vielen italienischen Politikern, die zuvor noch gegen Profumo protestiert hatten, passt nicht in den Kram, dass nun ein Deutscher die Bank führen soll. Und Analysten kritisierten das Machtvakuum. "Rampl ist für alle derjenige, der Profumo davongejagt hat. Wenn er jetzt beim Nachfolger einen Fehler macht, würden ihn alle dafür verantwortlich machen," heißt es bei Cheuvreux.

Als Präsident des Verwaltungsrats der italienischen Großbank hatte Rampl Dienstagabend die Sitzung geleitet, auf der Profumo abgesetzt wurde. Die Mitglieder des Kontrollgremiums hielten dem CEO vor, nicht ausreichend in wichtige Entscheidungen eingebunden zu sein, wie zuletzt bei dem Einstieg libyscher Investoren. Nun steht die Bank kopflos da, und Rampl muss als vorübergehender Chef so schnell wie möglich einen ebenbürtigen Nachfolger finden.

Lange Zeit wurde er kaum wahrgenommen, doch fragen sich in diesen Tagen viele Italiener: Wer ist dieser Signor Rampl, der sich innerhalb weniger Jahre so geschickt in Italiens Machtgefüge integriert hat? Der schlaksige Bayer österreichischer Abstammung kommt so jovial und harmlos daher, dass er oft unterschätzt wird. Dabei hat der 63-Jährige, der als Auszubildener bei der Bayerischen Volksbank begann und seine Karriere zwischen Genf, den USA und Deutschland verbrachte, schon vor dem Verkauf der HVB und seinem Umzug in sein Mailänder Büro mehrfach bewiesen, dass mit ihm nicht zu scherzen ist.

Ein Bankvorstand beschreibt Rampl als "extrem intrigant, so dass es schon wieder eine Qualität ist". Sein Gesellenstück sei der Verkauf der angeschlagenen HVB an Profumos Unicredit 2005 gewesen, den er gegen den Willen von Vorstand und Aufsichtsrat durchsetzte. "Nun vollzieht er sein Meisterstück: Er setzt einen Banker von seinen Gnaden ein und wird der mächtige Mann im Hintergrund."

Aber auch in der Zeit dazwischen hat Rampl seine Fertigkeiten bewiesen: Bei der Mediobanca - lange die Schaltzentrale der italienischen Wirtschaft - bremste er als Vizepräsident den damaligen Präsidenten Cesare Geronzi, als der sich per Statut mehr Macht sichern wollte. Auch seinen eigenen Sturz als Unicredit-Präsident verhinderte er im vergangenen Frühjahr, als die mächtigen Sparkassenstiftungen ihn ersetzen wollten. Doch Rampl empfahl sich als internationaler Kandidat und sah zu, wie sich die verschiedenen Stiftungen im gegenseitigen Kleinkrieg verzettelten.

Bei seinem jüngsten Coup hat er die Stiftungen hinter sich gewusst, bevor er in die Verwaltungsratssitzung am Dienstagabend schritt. Doch zerstören ist leichter als gestalten. Mit der Wahl des Profumo-Nachfolgers entscheidet Rampl jetzt über die Zukunft der Bank.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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