Dieter Rampl
Rampl, il Presidente

Allzu oft lässt sich Dieter Rampl an seiner langjährigen Wirkungsstätte nicht mehr blicken. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Hypo-Vereinsbank hat woanders viel mehr zu tun. Er selbst hätte das vor gut zwei Jahren wohl selbst nicht für möglich gehalten. Nun ist er fast zu einem italienischen Banker mutiert, als Präsident der Mailänder Großbank Unicredit.

MÜNCHEN. Ein Büro an der Kardinal-Faulhaber-Straße hat er noch. Doch allzu oft lässt sich Dieter Rampl an seiner langjährigen Wirkungsstätte in München nicht mehr blicken. Er hat woanders viel mehr zu tun, vor allem südlich der Alpen. Er selbst hätte das vor gut zwei Jahren wohl selbst nicht für möglich gehalten. Damals hat er sich als Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank (HVB) auf das Wagnis eingelassen und den Handel mit Unicredit-Chef Alessandro Profumo gesucht; nun ist er fast zu einem italienischen Banker mutiert. Heute feiert Rampl, Verwaltungsratschef der Unicredit, Direktor des italienischen Bankenverbands und Träger des Großoffizierskreuzes zum italienischen Verdienstorden, an seinem Ferienort in Florida den 60. Geburtstag.

Dass die Leistung von „Presidente Rampl“ in München bis heute höchst unterschiedlich bewertet wird, versteht sich von selbst. Die einen sehen in ihm den Retter der HVB und ihrer 26 000 Arbeitsplätze, seine Kritiker werfen ihm bis heute vor, die Nerven verloren und die traditionsreiche Bank, einst die Nummer zwei im Land und eine Macht im Osten Europas, nach Mailand verschleudert zu haben.

Wahrscheinlich haben beide Seiten recht. Eines jedenfalls wird man Rampl, egal, ob man ihn als Zauderer oder Visionär sieht, nicht absprechen können: er hat die lange prophezeite Konsolidierung im europäischen Bankenwesen wirklich in Gang gebracht.

Es gehört zu dieser Geschichte, dass die erste „richtige“ europäische Bank, so der Anspruch der neuen Unicredit, nun von Mailand und nicht von München aus gesteuert wird. Das aber, und dies räumen selbst seine Kritiker ein, hat vor allem damit zu tun, dass die Münchener ihre eigenen Hausaufgaben nicht geschafft haben. Die Jahre an der Spitze der HVB, die Rampl im Januar 2003 als Nachfolger des neuen Aufsichtsratschefs Albrecht Schmidt erklomm, sie waren eine Ära immer neuer schlechter Nachrichten. Zwar ging Rampl – im Umgang stets freundlich, in der Sache aber ziemlich hart – den Umbau der HVB entschieden an; er brachte Teile der 2001 gekauften Bank Austria wieder an die Börse, gliederte das gewerbliche Immobiliengeschäft in die neue Hypo Real Estate aus und schaffte sich so finanzielle Spielräume. Doch die alte Schwäche im Privatkundengeschäft und immer neue Kreditausfälle machten die HVB zum Dauersanierungsfall.

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