Dieter von Holtzbrinck wird 65
Bescheidener Medienstratege

Opulente Feiern waren nie die Sache von Dieter von Holtzbrinck. Im Gegensatz zu anderen Medienunternehmern schätzt der langjährige Chef der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck den stillen und bescheidenen Auftritt. Das ist auch an seinem 65. Geburtstag am Freitag nicht anders. Der Jubilar ist beim Segeln – seinem Lieblingssport – im Mittelmeer.

DÜSSELDORF. Der gebürtige Stuttgarter kann auf ein wohlbestelltes Haus blicken. Die Verlagsgruppe, die von einer nur 80 Mitarbeiter großen Holding gelenkt wird, sei in bester Verfassung, teilte er zuletzt mit. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 2,09 Milliarden Euro. Als er den Chefsessel 1980 übernahm, belief sich der Umsatz auf nicht einmal 700 Millionen. Der liberal-konservative Schwabe bewies häufig strategischen Spürsinn. Zum Beispiel, als er 1989 das rückläufige Buchklubgeschäft verkaufte. Im Gegenzug expandierte er in das englischsprachige Verlagsgeschäft, übernahm eine Reihe von Regionalzeitungen sowie die Wochenzeitung „Die Zeit“ und baute das deutsche Buchgeschäft stark aus.

Mit dem Handelsblatt ist Dieter von Holtzbrinck eng verbunden. 1970 übernahm er als geschäftsführender Gesellschafter den Chefsessel bei der Handelsblatt GmbH. Sein Vater Georg hatte die Wirtschaftszeitung ein Jahr zuvor erworben. „Mein Ziel war es, eine exzellente nationale Wirtschaftszeitung aus dem Handelsblatt zu machen“, erinnert sich der diskrete Medienlenker.

Anfang Juni verkündete von Holtzbrinck seinen Rückzug. Der Unternehmenswert wird in eine sozial engagierte Stiftung überführt: „Wenn man eine bedeutende Familienstiftung gründen und aufbauen will, dann sollte man auch dafür zumindest einen Zeitraum von plus/minus zehn Jahren einplanen“, sagte er damals zu seinen Zukunftsplänen.

Künftig halten seine Geschwister Monika Schoeller von Holtzbrinck und Stefan von Holtzbrinck jeweils zur Hälfte an der Verlagsgruppe, die auch das Handelsblatt verlegt. Der Schritt war lange geplant. Schon vor fünf Jahren übergab er das operative Geschäft an seinen 22 Jahre jüngeren Halbbruder Stefan. „Nach 36 guten und spannenden Jahren als Unternehmer und Verleger ist es an der Zeit, die von meiner Familie und mir schon lange gehegte Idee einer sozial tätigen Familienstiftung in die Tat umzusetzen“, sagte er zu seinem Motiv, sich als Gesellschafter aus dem Mediengeschäft zurückzuziehen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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