Dieter Zetsche

In fünf Jahren hat er die Krise im Konzern abgewendet.

(Foto: dpa)

Dieter Zetsche wird 65 Wie „Dr. Z“ Daimler hip gemacht hat

Mit Schnauzbart, Jeans und Sneakers hat Dieter Zetsche Daimler hip gemacht. Unter seiner Führung ist der Autobauer so erfolgreich wie nie.
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StuttgartFünf Jahre können eine Ewigkeit sein. An seinem 60. Geburtstag hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche gerade wieder eine Gewinnprognose kassieren müssen und nur knapp eine Revolte der Arbeitnehmer überstanden. Deren Vertreter im Aufsichtsrat wären ihn gern losgeworden.

Es hagelte Kritik - an seinem Sparkurs, an seiner kompromisslosen Art, an seinem Führungsstil, am Rückstand auf die Konkurrenz von BMW und Audi. Zetsche bekam so etwas wie Bewährung, durfte bleiben, aber erstmal nur drei weitere Jahre statt der üblichen fünf.

An diesem Samstag wird Zetsche 65 Jahre alt. Er ist immer noch da – und verkündet inzwischen eigentlich nur noch Rekorde. „Zetsche hat Daimler gerettet und eine Perle daraus gemacht“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer – und verweist auch auf Zetsches Anfangszeit als Vorstandschef, als der Autobauer die erst gepriesene und am Ende nur noch verfluchte Verbindung mit dem US-Konzern Chrysler beendete.

Mittlerweile ist Daimler so erfolgreich, dass Investoren schon das „Besser-geht's-nicht-Problem“ beklagen. Angesichts der Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn 2017 müsse es ja fast zwangsläufig bald wieder abwärts gehen, hieß es erst neulich bei der Hauptversammlung.

Tatsächlich sind die Herausforderungen nicht ohne. Bei der Elektro-Wende drängt die Zeit, die Pläne kosten Milliarden - ohne Garantie, dass sie auch aufgehen. Dieselskandal und Kartellvorwürfe könnten, je nach Ausgang, auch noch richtig teuer werden.

Nebenbei will ein fundamentaler Konzernumbau bewältigt werden. Und dann weiß auch keiner so richtig, was eigentlich Li Shufu im Schilde führt - der chinesische Auto-Milliardär, der sich so heimlich, still und leise fast zehn Prozent der Daimler-Anteile zusammenkaufte, dass selbst die Führung darüber staunte.

Baustellen gibt es also auch jetzt wieder genug bei Daimler. Und trotz der Rekordergebnisse auch einige Kritik daran, wie der Autobauer sie angeht. Darauf, dass deshalb jemand „Zetsche muss weg!“ ruft, braucht man heute aber nicht mehr zu warten. Schon gar nicht bei der Arbeitnehmervertretung, die ihn einst absägen wollte. „Heute ist er über jede Kritik erhaben“, meint Dudenhöffer.

Das sind die Bestseller von Daimler
Starke Absatzzahlen
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Beim Stuttgarter Autobauer läuft es rund: Dank neuen Bestwerten beim Absatz hat der Autobauer Daimler auch bei Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich zugelegt. 2017 verbuchte Daimler einen Umsatz von 164,3 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Lagen die Stuttgarter 2012 noch hinter den Rivalen aus München und Ingolstadt, so ist die Marke Mercedes jetzt mit 2,2 Millionen verkauften Autos 200.000 Einheiten vor BMW und 400.000 Stück vor Audi. Die Bestseller im Überblick.

Kompaktklasse
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2017 war mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug bei Mercedes-Benz ein Kompaktwagen – insgesamt 620.000 Mal wurde ein Wagen aus dieser Kategorie verkauft. Dazu gehören beispielsweise die A-Klasse (im Bild) und die B-Klasse.

Kompaktklasse
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Wachsen konnte Mercedes Benz im Kompakt-Segment auch, weil die Marke die Modellpalette um Autos wie die Limousine CLA, den CLA Shooting Brake (im Bild) oder den SUV GLA erweitert hat. Die beiden größten Märkte für Kompaktwagen waren Deutschland und China.

Mittelklasse
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Der Bestseller bei Mercedes ist allerdings das Mittelklasse-Modell C-Klasse: Die Limousine und das T-Modell wurden insgesamt 450.000 Mal verkauft. Ein Viertel ging auf die Langversion der C-Klasse Limousine zurück, ein Modell, das ausschließlich in China gebaut und verkauft wird.

Obere Mittelklasse
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Auch die neuen Modelle der Mercedes E-Klasse haben in ihrem ersten Verkaufsjahr Rekorde gebrochen. Nie war die E-Klasse so beliebt wie in den vergangenen zwölf Monaten – 350.000 Mal wurden die Limousine und das T-Modell verkauft. Daimler schaffte es, mit den neuen Modellen eine Absatzsteigerung von 40 Prozent zu erzielen. Größter Abnehmer der Limousine ist China, dort wurden die Verkäufe sogar verdoppelt.

SUV
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Stärkste Produktkategorie ist bei Daimler – wie auch im Vorjahr – das Segment SUVs: Die Beliebtheit der Geländewagen stieg weiter stark an. 850.000 SUVs konnte der Konzern absetzen. Mit 14 Prozent Absatzwachstum trugen die SUVs maßgeblich zum Verkaufserfolg der Marke bei.

SUVs
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Getrieben wurde das Wachstum in dem Segment vor allem durch starke Verkäufe der Kompakt-SUVs. Bestseller waren die Modell GLC (im Bild) und GLA, die auf den Plattformen der C-Klasse und der A-Klasse basieren.

Zetsche beweise Bodenständigkeit und Offenheit, beim Smalltalk mit Mitarbeitern in der Kantine ebenso wie am Rande von durchaus immer noch harten Verhandlungen, lobt Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. „Mit dem beruflichen Erfolg zu wachsen, fällt leicht, mit dem Erfolg auf dem Boden zu bleiben, umso schwerer“, sagt er.

Genau das zeichne Zetsche aus. Er lebe die moderne Unternehmenskultur, die er sich wünsche, selbst vor. Das hatte früher – vor Brecht – oft noch ganz anders geklungen.

Zetsche ist insgesamt seit über 40 Jahren bei Daimler, seit 20 Jahren im Vorstand, seit 12 Jahren dessen Vorsitzender. Früher, sagt Dudenhöffer, stand der Autobauer für Manschettenknöpfe und Krawatten, jetzt für Jeans und Turnschuhe. Zetsche hat diesen Kulturwandel eingeleitet. Er ist der Kumpel-Chef, der zwar nicht mehr als „Dr. Z“ in Werbeclips auftritt wie früher in den USA, dafür nun aber für ulkige Grußbotschaften zu Weihnachten Gedichte vorträgt oder den markanten Schnauzbart in der Glühwein-Tasse verschwinden lässt.

Auch die Mitarbeiter drehen schräge Videos, um sich damit für ein „Meet & Greet“ mit Zetsche zu bewerben. Im Daimler-Blog kann man dem promovierten Ingenieur und Lenker des Multimilliarden-Konzerns dann dabei zusehen, wie er lässig plaudernd mit Betriebsrats-Chef Brecht und einigen anderen der weltweit 294.000 Daimler-Leute in der S-Klasse herumfährt oder Bewerbungsgespräche am Steuer führt. „Grüß Gott, wunderbar, ich bin Dieter“ - PR-gerecht aufbereitet, gern geklickt und kommentiert. Selbst beim Grünen-Parteitag inmitten der Diesel-Querelen haben sie am Ende für ihn geklatscht.

Es gibt aber auch den anderen Zetsche - abgeschirmt, wortkarg, der Journalisten und Aktionäre mit den immer gleichen, vom Zettel abgelesenen Antworten auf ihre Fragen frustriert. Gern auch mehrfach hintereinander, wenn es Nachfragen gibt.

Daimler hat in Sachen Diesel die US-Behörden und die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Hals. Der Vorwurf der Kartellabsprachen mit anderen Autobauern wird von der EU-Kommission untersucht. Und dann darf man auch die Partner aus China nicht mit einem unbedachten Wort verprellen. An jedem Zetsche-Satz, so wirkt es deshalb bisweilen, haben vorher mindestens drei Juristen gefeilt.

Bei Fragen zu seiner Zukunft hält sich der Manager bislang ähnlich bedeckt. Ein Gespräch zu seinem Geburtstag kommt nicht zustande. Ende 2019 läuft sein Vertrag aus, danach könnte er den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen. Dessen jetziger Chef Manfred Bischoff hat schon im vergangenen Jahr gesagt, dass er sich das vorstellen könnte.

Zeitlich passen würde es: Zetsche müsste eine zweijährige Abkühlphase abwarten, Bischoff ist bis 2021 gewählt. Seit Februar sitzt Zetsche im Aufsichtsrat von Tui, soll auch dort „mittelfristig“ den Vorsitz übernehmen. Gewählt ist er für fünf Jahre - aber da kann ja bekanntlich noch viel passieren.

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