Dirk Meyer
Neuer Chef soll den Chiphersteller AMD retten

Der Milliardenverlust im abgelaufenen Quartal hat jetzt auch personelle Konsequenzen: Dirk Meyer ersetzt bei AMD den glücklosen Hector Ruiz - und hofft nun auf die Hilfe der EU im Rechtsstreit mit Intel.

MÜNCHEN. Barcelona am 10. September 2007. Im feinen Hotel AB Skipper in der Nähe des Hafens präsentiert der angeschlagene US-Halbleiterhersteller AMD seinen neuen Hoffnungsträger "Barcelona", einen Hochleistungschip für Großrechner. "Mit dem neuen Vierkern-Prozessor wollen wir massiv Marktanteile zurückgewinnen", ruft Dirk Meyer den aus ganz Europa angereisten Reportern zu.

Das Jackett seines dunklen Anzugs hat Meyer bald zur Seite gelegt, das Hemd trägt er offen. Der Chief Operating Officer (COO) des Konzerns gibt sich hemdsärmelig, wie das viele seiner Kollegen aus dem Silicon Valley gerne tun. Der Mann mit dem gewinnenden Lächeln spricht frei, versucht die Journalisten mitzureißen. Seine Zuhörer im unterirdischen Konferenzraum der Nobelherberge kann Meyer trotzdem nicht vollständig überzeugen. Zu oft schon hat AMD die Wende angekündigt - zu oft ist sie ausgeblieben.

Heute steht fest: Auch "Barcelona" hat den kleinen Rivalen von Intel nicht aus seiner Not befreit. Im abgelaufenen Quartal lief bei einem Umsatz von 1,35 Milliarden Dollar ein Verlust von knapp 1,2 Milliarden Dollar auf. Es war das siebte Quartal mit roten Zahlen in Folge.

Das miese Ergebnis hat jetzt auch personelle Konsequenzen: AMD-Chef Hector Ruiz, 62, gibt seinen Posten ab. Ihm folgt Meyer, der bislang als COO für das Tagesgeschäft zuständig war und der schon seit längerem als Kronprinz von Ruiz galt. Der gebürtige Mexikaner Ruiz bleibt Chef des Verwaltungsrats.

"Wir haben unser großes Potenzial bislang nicht ausgenutzt", sagt Meyer und verspricht für das zweite Halbjahr zumindest operativ wieder einen Gewinn. Der Mann mit den eng stehenden Augen kennt AMD bestens: Er arbeitet seit 1995 für den Chiphersteller aus Kalifornien und hat alle Höhen und Tiefen erlebt. In der 39-jährigen Geschichte des Konzerns ist er erst der dritte Chef.

Intel und AMD teilen sich weltweit das Geschäft mit Prozessoren. Diese kleinen elektronischen Bauteile sind das Herzstück jedes Rechners. Allerdings sind die Gewichte sehr ungleich verteilt. Intel beherrscht etwa 80 Prozent des Markts und ist im Gegensatz zu AMD hochprofitabel. Zum Vergleich: Intel wird dieses Jahr rund elf Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung sowie neue Maschinen investieren. Das ist weniger als der gesamte AMD-Umsatz, den Analysten auf etwa 6,3 Milliarden Dollar schätzen.

Seite 1:

Neuer Chef soll den Chiphersteller AMD retten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%