Dirk Müller im Gespräch
Mr. Dax: „Ich habe leider keine Kristallkugel“

Dirk Müller gilt als das Gesicht des Dax. Doch von Aktien rät der Börsenmakler schon lange ab. Im Interview spricht Müller über eine mysteriöse Finanzhydra, die größte Einstiegschance seit 80 Jahren und seine Friseurmeisterin.

Herr Müller, Sie sind in einer 7000-Seelen-Gemeinde in Baden-Württemberg aufgewachsen. Wie kommt man dort darauf, Börsenmakler zu werden?

Ich kann mich nicht genau erinnern, woher das Interesse stammt. Entweder war es der Film "Wall Street" oder die Börsenberichterstattung der 80er-Jahre mit wild gestikulierenden Händlern, die Sachen brüllten wie "Kauft Daimler!" Jedenfalls stieg meine Begeisterung, je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte. Das kam ziemlich häufig vor: Sogar in der Schule las ich heimlich unter dem Tisch Börsennachrichten.

Wie haben Sie den Einstieg geschafft?

Mir war ziemlich schnell klar, dass ich nur über Beziehungen an die Börse kommen konnte. Also bewarb ich mich bei der Deutschen Bank in Mannheim für eine Lehre als Bankkaufmann und erzählte gleich im Einstellungsgespräch, dass für mich nur die Börse in Frankfurt in Frage kommt.

Und wie war die Reaktion?

Der Personalchef gab mir das Gefühl, mich ernst zu nehmen. Ob er sich nach dem Gespräch kaputtgelacht hat, weiß ich nicht. Den Ausbildungsplatz habe ich jedenfalls bekommen.

Wie kamen Sie von dort an die Börse?

Kennen Sie die Szene aus dem Film "Wall Street", in der Gordon Gecko zu Bud Fox sagt: ,Das Leben entscheidet sich in wenigen Augenblicken - und dieser ist einer davon'? So war das auch bei mir.

Was geschah in diesem Augenblick?

Ich saß kurz vor Ende meiner Ausbildung am Händlertisch. Dort, wo ich hin wollte, aber es gab damals einen Einstellungsstopp. Ein Händler sagte plötzlich: ,Ich wäre Geld für ein Paar Mohrenköpfe.' Übersetzt bedeutete das, dass er gerade Appetit auf Mohrenköpfe hatte und gerne ein paar kaufen würde. Ich nahm all meinen Mut zusammen und sagte: ,Valuta Dienstag wäre ich 25 Brief für 50.' Damit bot ich ihm 50 Mohrenköpfe zum Stückpreis von 25 Pfennig an.

Und was passierte dann?

Es herrschte Schweigen und mein Herz rutschte mir in die Hose. Es war vollkommen neu, dass ein Azubi das Wort ergriff. Aber Sekunden später stieg der ganze Tisch ein und eine halbe Stunde lang wurden nur Mohrenköpfe gehandelt - bis ich schließlich Hunderte verkauft hatte. Ich kannte aus meiner Bundeswehrzeit einen Fabrikhandel, wo ich sie günstig besorgen konnte und schloss das Geschäft mit einem kleinen Gewinn für mich ab.

Und fortan waren Sie für den Süßigkeitensektor auf dem Parkett zuständig?

Nein, aber ich habe trotz des Einstellungsstopps ein Jobangebot fürs Handelsteam bei der Deutschen Bank in Mannheim bekommen. Vorher hatte mich ein Kollege aber bereits dem bekannten Rentenhändler Hans Dittmar empfohlen und ich wechselte nach Frankfurt in dessen Team.

Sie haben jetzt ein Buch für Anleger veröffentlicht. Lohnt sich das für Sie?

Man wird von so einem Buch ganz bestimmt nicht reich. Die Arbeitszeit und das, was am Ende finanziell dabei herauskommt, stehen in keinem Verhältnis.

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