Diskriminierung im Silicon Valley: Investmentfirma gerät vor Gericht unter Druck

Diskriminierung im Silicon Valley
Investmentfirma gerät vor Gericht unter Druck

Das kann teuer werden: Wegen Diskriminierung einer weiblichen Angestellten droht einer Investmentfirma im Silicon Valley eine Rekordstrafe. Schlechte Vorzeichen für andere Valley-Machos in Chefetagen.
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San FranciscoDramatische Wendung im Prozess um Geschlechterdiskriminierung im Silicon Valley. Die Investmentfirma Kleiner Perkins, die ihren Ruf - und Milliarden von Dollar – einer Frühfinanzierung Google verdankt, sieht sich womöglich einer Strafzahlung in dreistelliger Millionenhöhe wegen Geschlechterdiskriminierung gegenüber.

Das zuständige Gericht in San Francisco stimmte einer zweiten Klage auf sogenannte „punitive damages“ zusätzlich zu den 16 Millionen Dollar zu, die die frühere Mitarbeiterin Ellen Pao als entgangenes Gehalt eingeklagt hat. Die Anwälte der Investmentfirma hatten verzweifelt versucht, dies zu verhindern.

Die Entscheidung hat es in sich: Punitive damages werden unter bestimmten Umständen in nur wenigen Fällen als ergänzende Abschreckung im US-Zivilrecht verhängt. Es soll eine Wiederholung durch den Verurteilten wirksam ausschließen. Kleiner Perkins macht Milliarden von Dollar mit Risiko-Kapital-Finanzierungen.

Die geforderten 16 Millionen Dollar Gehalts- und Bonus-Nachzahlungen von Pao könnte das Unternehmen quasi aus der Portokasse begleichen und zur Tagesordnung übergehen, so die Befürchtung. Kleiner Perkins wird auch einer der größten Profiteure eines bis zu 40 Milliarden Dollar schweren Börsengangs des für seine besonders ruppige Gangart bekannten Taxi-Konkurrenten Uber aus San Francisco sein.

Punitive damages sind in ihrer Höhe in den USA im Prinzip unbegrenzt, sie hängen ganz vom Gericht ab. Nicht selten werden astronomische Summen verhängt, die dann in Berufungsverfahren deutlich zusammenschrumpfen. Trotzdem: Da auch diese Strafgelder ganz oder in Teilen der klagenden Partei zustehen, ergibt sich oft eine Vervielfachung der ursprünglichen Klage-Summe.

Richter Harold Kahn erklärte am Samstag, ein „vernünftig denkender Richter könnte zu der Entscheidung kommen“, die Firma habe „vorsätzliche Geschlechterdiskriminierung“ betrieben. Daneben könnte dieser Richter zu der Einschätzung kommen, Kleiner Perkins habe bewusst falsche Informationen herausgegeben, um dieses Treiben zu verschleiern. Die San Jose Mercury News sieht jetzt eine Strafe von durchaus einhundert Millionen Dollar oder mehr auf das Unternehmen zukommen.

Noch am Dienstag sah es ganz anders aus. Kahn hatte ernste Zweifel an der Position von Ellen Pao und ihrer Beweislage geäußert. Anwalt Exelrod bekam die Auflage innerhalb 24 Stunden schlüssig darzulegen, auf welcher rechtlichen Grundlage er „puntive damages“ als gerechtfertigt ansehe.

Das scheint ihm in der Tat gelungen zu sein. Die Entscheidung fiel auf einer völlig unüblichen Sondersitzung des Gerichts nach Schluss der öffentlichen Dienstzeiten. Beide Parteien versuchten in einer hitzigen Anhörung ihre Argumentation darzulegen.

Es bahnt sich nun nach vier Wochen unermüdlicher Zeugenanhörungen ein typischer „Sie sagt, er sagt“-Prozess mit eine Patt-Situation an. Die Frage ist: Wem werden die Geschworenen am Ende glauben? Die Schluss-Anhörungen sind für Dienstag vorgesehen. Danach werden die Geschworenen beraten und voraussichtlich am Mittwoch ein Urteil fällen. Anschließend wird der Richter das Strafmaß verhängen.

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  • Die Anwältin, die garantiert auf Erfolgsbasis arbeitet, muss natürlich mit Nachnamen "Lawless" heissen, klasse!

    Lebensläufe ohne Geburtsdatum (und Foto) mach nur bei unqualifizierten Arbeiten ohne Publikumsverkehr Sinn. Das Ganze führt nur dazu, dass tausende von potentiellen Arbeitnehmern unnütz durch die Gegend reisen.

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