DLD-Women-Konferenz
„Eine Karriere-Frau verliert Zärtlichkeit – und ihren Mann“

Eine Konferenz über Karriere und Digitalisierung zeigt eine Auswahl kluger Business-Frauen in weiblichen Outfits, die ihre Kinder nicht verleugnen. Über die Entweiblichung der Dax-Vorstände wird aber geschwiegen.
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München„Schau Dir Deine Nachbarin an, so wie Du es in der Kirche machst“, sagt Stefanie Czerny. Sie ist so etwas wie die Networking-Beauftragte des Medienkonzerns Burda, stammt schließlich aus dem ländlichen Bayern, wo die Frauen noch zur Kirche gehen – und natürlich nicht nur um zu beten. Zu Czernys Konferenz „DLD Women“, am Montag und Dienstag in München, kommen sie ja auch nicht nur, um zu erfahren, wie sie sich fit machen für die digitale Zukunft dieser Welt – in ihrer ganzen Unausweichlichkeit.

Schon vom Englischen Garten aus schlägt einem das fröhliche Geschnatter der Teilnehmerinnen aus dem monumentalen Haus der Kunst entgegen. Auf dem Podium drinnen scheinen fast nur gertenschlanke, langbeinige Erfolgsfrauen zu agieren, die perfekt Englisch können und nie um eine Antwort verlegen sind. Und zwischendurch macht Czerny (stets in blumige Aufgelöstheit gehüllt) den Cheerleader: „War das nicht eine beeindruckend Rede? Hat es sich nicht gelohnt, dass wir den Zeitplan wie immer nicht einhalten?“

Selbstverständlich ist jede der Referentinnen für Czerny „eine Freundin, von der sie viel gelernt hat, so wie umgekehrt jede sich artig für „Steffis tolle Konferenz“ bedankt. Die, so teilt Czerny freimütig mit, geht darauf zurück, dass jede dritte Frau in Deutschland Zeitschriften aus dem Burda-Verlag lese: Deshalb gebe es seit 2010 diese bunte, weibliche Ausgabe der Internet-Konferenz DLD (Digital Life Design). Außerdem hätten Frauen Fähigkeiten, die essentiell für die Digitalisierung der Wirtschaft seien, heißt es im Veranstaltungsprogramm. Und bekanntlich würden zwei Drittel der Kaufentscheidungen in unserer Gesellschaft von Frauen getroffen.

Es ist tatsächlich ein Cat Walk erfolgreicher Managerinnen, den Burda hier veranstaltet. Cool, professionell und gleichzeitig charmant sind diese Frauen. Etwa Claudia Nemath (Vorstandsmitglied Deutsche Telekom), wie sie mit der langjährigen EU-Kommissarin Viviane Reding öffentlich darüber plaudert, welchen Einfluss die Ermutigung durch ihre Väter auf die Karriere gehabt hat. Oder die Ernst & Young-Partnerin Ann-Christina Grohnert, wenn sie erzählt, wie sie einst mit Bergen von Unterlagen und Veränderungsvorschlägen in die Meetings gezogen ist, und erst lernen musste, die Perspektive aller Kollegen mit ins Kalkül zu ziehen, auch die der Besitzstandswahrer.

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Uschi Glas und die „Brotzeit“

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