dm Drogeriemarkt: Kapitalismus aus der Waldorfschule

dm Drogeriemarkt
Kapitalismus aus der Waldorfschule

Götz Werner, Chef der Drogeriekette dm, fiel schon in der Vergangenheit häufiger durch Vorschläge auf, die Managerkollegen als soziale Utopien verschrien. Doch was auf den ersten Blick wie träumerische Sozialromantik erscheint, begründet in Wirklichkeit den Erfolg seines Unternehmens.

BERLIN. Deutscher Handelskongress, Berlin. Auf dem Podium des Estrel-Hotels präsentiert eine Hand voll prominenter Topmanager Auswege aus der aktuellen Konsumkrise.

Metro-Vorstand Zygmund Mierdorf will seine Märkte in Zukunft mit ausgeklügelter Informationstechnik ausrüsten, um den Wünschen der Kunden besser auf die Spur zu kommen. Edeka-Vorstandschef Alfons Frenk fordert die Markenindustrie zu mehr Anstrengungen auf. Und Tchibo-Chef Dieter Ammer verrät, wie man mit permanent wechselnden Warenwelten zu Schnäppchenpreisen das Interesse der Verbraucher immer wieder wecken kann. Die "Geiz ist geil"-Welle, darin ist man sich einig, habe dem Land geschadet wie kaum eine andere Werbekampagne.

Nur Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, sitzt schweigend in der Runde. Als ihn der Moderator anspricht, sorgt der 60-jährige Professor beim Publikum für einen nachhaltigen Schock. Es sei doch die Frage, doziert Werner, ob Wachstum durch Steigerung des Konsums nach ethischen Gesichtspunkten überhaupt noch erstrebenswert sei.

Szenenwechsel. Stolz drückt der dm-Chef auf einer Pressekonferenz Journalisten ein schwarz-rot-gold gefärbtes Buch in die Hand. Was der gelernte Drogist in dessen Innenteil vorschlägt, hätte sicher so schnell niemand erwartet: Jedem deutschen Bürger will der Unternehmer vom Staat ein Grundeinkommen garantieren lassen, das ihm eine "menschenwürdige Existenz" sichert. Bezahlt werden könne dies durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Durch das Grundeinkommen will er ein grundlegendes Übel beseitigen: die "Verkoppelung von Arbeit mit Einkommen". Jeder solle sich fragen, wofür er seine Fähigkeiten einsetzen will, schlägt Werner vor.

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