Doch Beteiligung
Komplize von Madoff packt aus

Spektakuläres Geständnis im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte rund um Mega-Schwindler Bernard Madoff: Frank DiPascali, früherer Finanzchef des Ex-Brokers, hat seine Beteiligung zugegeben. Und noch mehr Mitwisser sollen auffliegen. Eine weitere große Lüge des bereits zu 150 Jahren Haft verurteilten Madoff ist damit geplatzt.

HB NEW YORK. Der 71-Jährige hatte stets betont, allein gehandelt zu haben. „Es war alles erfunden“, gestand der 52-jährige Frank DiPascali am Dienstag vor einem Bundesgericht in New York. Der Komplize bekannte sich in insgesamt zehn Anklagepunkten schuldig, darunter Verschwörung. Ihm drohen bis zu 125 Jahre Gefängnis. Allerdings kann er auf Strafmilderung hoffen, weil er den Ermittlern bei der Suche nach weiteren Mittätern hilft.

Richter Richard Sullivan schickte DiPascali umgehend in Handschellen in Untersuchungshaft. Damit lehnte er einen Antrag auf Freilassung bis zum Urteilsspruch gegen eine Millionen-Kaution vorerst ab. DiPascali entschuldigte sich bei den Opfern und seiner Familie. „Es tut mir sehr, sehr, sehr leid.“ Als rechte Hand Madoffs verdiente der Komplize selbst viele Mio. Dollar.

Madoff war Ende Juni zur Höchststrafe von 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit einem 65 Mrd. Dollar (46 Mrd. Euro) schweren Schneeballsystem hatte er jahrelang weltweit tausende Anleger geschädigt.

Nach dem Geständnis von DiPascali wird mehr denn je über eine Beteiligung der Familie Madoffs und weiterer Mitarbeiter spekuliert. Neben Madoff und DiPascali wird bislang noch der frühere externe Buchprüfer der Firma, David Friehling, von den Ermittlern belastet. Er bestreitet die Vorwürfe aber. Offen ist, wie viel Madoffs Familie von dem Verbrechen wusste – etwa seine 68-jährige Frau Ruth. Madoffs zwei Söhne und sein Bruder Peter waren ebenfalls in dessen Firma in New Yorker beschäftigt, wollen aber nichts geahnt haben. Die Söhne hatten im Dezember vergangenen Jahres die Polizei verständigt, nachdem ihnen ihr Vater alles offenbart haben soll.

DiPascali bekannte sich auch zu Betrug, gefälschter Buchführung, Geldwäsche und anderen Verbrechen. Die Höchststrafen dafür erreichen jeweils bis zu 20 Jahre Gefängnis sowie Einzel-Geldstrafen von bis zu einer halben Mio. Dollar. Bei Madoff waren mehrere Maximalstrafen addiert worden. Das Urteil ist vorläufig für 15. Mai nächsten Jahres angesetzt. Dann soll DiPascalis Kooperation bewertet werden. Von dem Manager erwarten sich die Ermittler die Namen möglicher Komplizen.

DiPascali sagte, er selbst und „andere Leute“ wussten, dass es die behaupteten Aktiengeschäfte nicht gegeben habe. Madoff hatte die angeblichen Gewinne stets mit dem Geld neuer Opfer bezahlt. DiPascali gestand, er habe Madoff als rechte Hand seit rund zwei Jahrzehnten bei dem Betrug geholfen. „Es war falsch und ich wusste, dass es falsch war.“ Der verheiratete Familienvater mit vier Kindern war 33 Jahre lang für Madoff tätig.

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