Doppelspitze folgt mit sofortiger Wirkung
„Spiegel“-Chefredakteur Aust abberufen

„Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust (61) ist am Dienstag „abberufen und freigestellt“ worden. Das teilte der Verlag des Hamburger Nachrichtenmagazins mit. Eine Doppelspitze soll die Führung übernehmen. .

HB HAMBURG. Ab sofort übernehmen Mathias Müller von Blumencron (47), Chefredakteur von Spiegel Online, und Georg Mascolo (43), Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, die Chefredaktion des „Spiegel“. Das beschlossen am Dienstag die Gesellschafter des „Spiegel“-Verlags, die Mitarbeiter KG, der Verlag Gruner + Jahr und die Erben des Gründungsherausgebers Rudolf Augstein. Der Verlag dankte dem freigestellten Aust, dessen Vertrag am 31. Dezember endet, für die „außerordentlich erfolgreiche Arbeit“.

Am Montag war ein Gütetermin im Rechtsstreit zwischen Aust und dem Verlag über die Kündigung des Chefredakteurs zum Jahresende ohne greifbares Ergebnis geblieben. Aust, der sich vor Arbeitsgericht in Hamburg von den Anwälten Matthias Prinz und Rolf Stahmer vertreten ließ, hatte Kündigungsschutzklage eingereicht.

Aust sieht keinen Grund, „der geeignet wäre, die Kündigungen gemäß Kündigungsschutzgesetz zu rechtfertigen“. Laut Gericht könnten die Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis eines leitenden Angestellten jedoch auch ohne Vorliegen eines Kündigungsgrundes durch ein Urteil auflösen lassen – gegen Zahlung einer Abfindung. Austs Anwälte bestritten, dass ihr Mandant eine Leitungsfunktion hat, und wollen deshalb von der Gegenseite wissen, ob der Betriebsrat vor der Kündigung „ordentlich angehört“ wurde.

Austs Vertrag war im November 2007 auf Initiative des Mehrheitseigners des Spiegel-Verlags, der Mitarbeiter KG, nicht über Ende 2008 hinaus verlängert worden. Der Blattmacher ist der Auffassung, dass sein Vertrag mindestens bis Ende 2010 wirksam ist. Beim neuen Verhandlungstermin am 7. Mai müsste geklärt werden, ob es eine Zusage der früheren Geschäftsführung für eine Beschäftigung Austs bis zu diesem Zeitpunkt gegeben hat, kündigte die Vorsitzende Richterin der 11. Kammer, Susanne Wendt, an.

Der Journalist ist seit 1987 beim Spiegel-Verlag beschäftigt, seit 1994 als Chefredakteur. Den Chefposten hattte er auf ausdrücklichen Wunsch von „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein erhalten. Außerdem ist er Herausgeber bei Spiegel TV. Bezüglich dieser Position, die ihm ebenfalls gekündigt wurde, ist Aust der Auffassung, dass er sie bis 2013 ausüben kann.

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