Dow Jones-Chef Peter Kann
Mit neun Jahren der erste Job

Diesmal ist die Botschaft bei Peter Kann angekommen. Der Verwaltungsrat des Medienkonzerns Dow Jones hat seinen 63-jährigen Chef ein Jahr früher als geplant in den Ruhestand geschickt.

NEW YORK. Die Familie Bancroft, die das Traditionsunternehmen kontrolliert, will die Zukunft des Hauses möglichst schnell in jüngere Hände geben. Bereits am 1. Februar übernimmt der 47-jährige Richard Zannino.

Im Dezember 1971 konnte Kann die Order seiner Vorgesetzten noch ignorieren. Der damals 29-jährige Reporter des "Wall Street Journals" befand sich gerade in Dakar, mitten im indisch-pakistanischen Krieg. Sein Chefredakteur schickte ihm ein Telegramm mit der dringenden Anweisung, das Krisengebiet sofort zu verlassen. Kann telegrafierte zurück: "Nachricht nicht erhalten" - und blieb. Seine Berichte über den Krieg bescherten ihm später den Pulitzer-Preis, die höchste journalistische Auszeichnung in den USA.

Auch wenn Kann aufstieg zu einem der mächtigsten Medienmanager Amerikas: In seinem Herzen blieb er immer Journalist. Werden die Rivalen inzwischen von gelernten Betriebswirten geführt, pflegt Dow Jones seit mehr als 70 Jahren die Tradition, ehemaligen Redakteuren das Steuer zu überlassen. Zannino ist da seit langer Zeit eine Ausnahme.

Kann hat den Verlag seit 1991 geführt und war bereits zuvor in leiten-den Positionen im Konzern und beim "Wall Street Journal" tätig. Die Wirtschaftszeitung ist mit einer Auflage von mehr als 1,8 Millionen Exemplaren eine weltweit geachtete Institution und das Flaggschiff des Hauses.

Der Sohn eines österreichischen Historikers begann seine journalistische Karriere bereits mit neun Jahren. Damals gründete Kann in der Universitätsstadt Princeton eine Lokalzeitung und verkaufte sie für fünf Cent das Stück. Seine Mutter tippte die Geschichten und fungierte als Herausgeberin. Als Teenager kam Kann erstmals in Kontakt mit Bernard Kilgore, der wenig später als Chefredakteur das "Wall Street Journal" von einem Fachblatt zu einer der am besten geschriebenen Zeitungen des Landes machte. Kann ging für sein Studium nach Harvard, wo er zusammen mit dem späteren Herausgeber der "Washington Post", Donald Graham, für die Uni-Zeitung "Crimson" arbeitete. "Peter konnte traumhaft schreiben", sagte Graham später.

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