Dow Jones & Co
Der Brückenbauer

Der US-Medienkonzern Dow Jones & Co. ist 125 Jahre alt, davon länger als 100 Jahre unter der Kontrolle der Bancroft-Familie. Den absehbaren Verkauf des Traditionshauses treibt jedoch ein Mann voran, der erst seit April 2007 an Bord ist.

NEW YORK. Dow-Jones-Chairman Peter McPherson (67) sei die Schlüsselfigur in den Verhandlungen mit Medientycoon Rupert Murdoch, berichtet das publizistische Flaggschiff des US-Verlags, "Wall Street Journal". Unternehmenskreisen zufolge ist eine Einigung der Bancrofts, die derzeit ihre Positionen überprüfen, nur noch eine Frage von Tagen.

Zwar hatte der 34 Mitglieder große Clan die Offerte von Murdochs Firma News Corp. im Wert von fünf Milliarden Dollar zunächst abgewiesen. Zu Wochenbeginn erklärte sich die Familie aber zu einem ersten Gespräch mit dem Medienunternehmer bereit. Während sich insbesondere die älteren Mitglieder der Dynastie um die publizistische Unabhängigkeit unter einem neuen Eigner Murdoch sorgen, ist inzwischen Mehrheitsmeinung, dass ein Firmenverkauf die bevorzugte Option ist. Immerhin erhalten die Dow-Jones-Eigner einen Preis, der mindestens 67 Prozent höher liegt als der Aktienkurs im April 2007. Murdoch benötigt die Zustimmung der Bancrofts, weil sie über ein System privilegierter Aktien 64 Prozent der Stimmrechte am Unternehmen halten.

Dow-Jones-Chairman McPherson kommt die Aufgabe zu, eine Brücke zu bauen zwischen Murdoch, der Bancroft-Familie und dem Verwaltungsrat, der aus 16 Direktoren besteht. Der frühere Präsident der Michigan State University, der einst unter Gerald Ford im Weißen Haus arbeitete, besitzt als harter Verhandlungspartner das Vertrauen der Familie. In dem mehr als vierstündigen Treffen am Montag habe McPherson Murdochs Vorschlag eines unabhängigen Herausgeber-Gremiums abgelehnt und weiter gehende Verhandlungen eingefordert, heißt es im "Wall Street Journal".

Die Bancrofts wollen in jedem Falle die Unabhängigkeit der Redaktion sicherstellen und ausschließen, dass Murdoch das vereinbarte Gremium über Umwege beeinflussen kann. Mitglieder der Dow-Jones-Inhaberfamilie werfen dem Unternehmer vor, seine Medien bisweilen für eigene Geschäftsinteressen zu instrumentalisieren.

Dennoch stehen die Zeichen auf Verkauf: McPherson hat ein Ad-hoc-Komitee mit Board-Mitgliedern und Dow-Jones-CEO Richard Zannino eingerichtet, das die Verhandlungen mit Murdoch leitet. Laut "Wall Street Journal" haben sich elf von 16 Mitgliedern des Verwaltungsrats für einen raschen Verkauf ausgesprochen, falls Murdoch sein Gebot von 60 Dollar pro Aktie noch leicht aufstocken sollte. Am Ende geht es eben nicht allein um Unabhängigkeit, sondern auch ums liebe Geld. Das dürfte auch die letzten Bancrofts überzeugen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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