Dr. Margot Käßmann ist Landesbischöfin der Evang.-lutherischen Landeskirche Hannover
Margot Käßmann: Ein Eid alleine reicht nicht

Mit einem Eid wird lediglich die Bindung des Einzelnen an Werte geregelt. Es braucht aber auch die Ausrichtung der Strukturen der Wirtschaft auf das Ziel, mehr Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen zu schaffen, meint die Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

Dass ein Manager, der für eine große Zahl von Menschen verantwortlich ist, diese Tätigkeit ohne eigene innere Bindung an Werte vollzieht, ist kaum vorstellbar und schon gar nicht zu wünschen. Manager haben Macht über Ressourcen aller Art. Macht kann nur verantwortlich ausüben, wer sich selbst an etwas gebunden weiß, was höher ist als er oder sie selbst es ist. Wer Menschen nur benutzt, kann sie nicht wirklich führen. Wichtig ist ein tragfähiges Menschenbild „im Hinterkopf“, in dem die Wertschätzung für die eigenen Mitarbeiter zum Ausdruck kommt.

Sofern solche Werte in einem Eid, den angehende Manager ablegen, zum Ausdruck kommen, ist dies sicherlich eine gute Sache. Solch ein Eid wird auch unter Ingenieuren in Deutschland diskutiert und ist bereits in einer Reihe von Ingenieurordnungen vorgesehen.

Aber ein Eid reicht nicht aus! Mit einem Eid wird lediglich die Bindung des Einzelnen an Werte geregelt. Es braucht aber auch die Ausrichtung der Strukturen der Wirtschaft auf das Ziel, mehr Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen zu schaffen. Dieses Ziel muss weltweit realisiert werden und sich in gerechten weltweiten Wirtschaftsordnungen niederschlagen. Solange z. B. die Märkte der reichen Länder durch Subventionen und Zölle gegenüber Produkten der ärmeren Länder abgeschottet werden, bewirken Manager-Eide wenig.

Was ich mir wünsche ist, dass Manager sich für weltweiten Ausgleich einsetzen, weil sie erkannt haben, dass dies letztlich in ihrem eigenen Interesse und auch im Interesse ihrer Unternehmen ist. Nachhaltige Wertschöpfung ist nur denkbar, wenn alle Menschen auf der Basis gleicher Chancen an ihr partizipieren können, und in dieser Hinsicht stehen wir noch immer ganz am Anfang.

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