Dr.-Wolff-Chef Dörrenberg
Mit Haut und Haaren

Eduard R. Dörrenberg hätte nach seiner Ausbildung eine Heuschrecke werden können. Doch er entschied sich fürs Familienunternehmen in der Bielefelder Provinz – und zeigte, wie viel Energie in der Firma und in dem mehr als 70 Jahre alten Haarwasser Alpecin steckt.

Der Anzug sitzt perfekt, die Haare sowieso. Wer ein Unternehmen repräsentiert, dessen bekanntestes Produkt ein Shampoo ist, achtet selbstverständlich auf die Frisur. Allerdings trägt Eduard R. Dörrenberg keinen Schlips. „Meine Großmutter findet das schrecklich, aber ich bin eben der kleine Revoluzzer in der Familie“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Dr.-Wolff-Gruppe – und grinst. Seit zehn Jahren leitet er den Marketingbereich des Familienunternehmens, und seine Großmutter Doris Wolff mag zwar die fehlende Krawatte monieren, ansonsten wird sie aber wenig Grund zur Klage haben. Denn Dörrenbergs gezielter Traditionsbruch hat Methode, schließlich stand er vom ersten Tag an vor der Aufgabe, die altbekannten Marken des Unternehmens – vor allem das Haarwasser Alpecin, die Kosmetiklinie Alcina und die Linola-Pflegeprodukte – zu verjüngen. „Eine Herzensangelegenheit, schließlich wurde ich mit Alpecin getauft“, sagt Dörrenberg.

Trotz des ungewöhnlichen Taufbecken-Inhalts war der Weg zum Bielefelder Kosmetika- und Arzneimittelhersteller keineswegs vorgezeichnet. Der Kontakt zur Familie der Mutter beschränkte sich im Wesentlichen auf Besuche an Weihnachten. Dörrenberg wuchs in Düsseldorf auf, sein Vater leitete ein Unternehmen in der Stahlbranche.

Als Doris Wolff ihrem Enkel 1997 anbot, Geschäftsführer des Marketings der Kosmetiksparte zu werden, lehnte Dörrenberg zuerst ab. „Ich plante, nach London zu gehen. Es gab schon konkrete Angebote.“ Mit 29 hatte Dörrenberg sein Maschinenbau-Studium an der ETH Zürich längst beendet, ein MBA-Studium an der Pariser Hochschule für internationales Management Insead abgeschlossen und beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney in Düsseldorf gearbeitet. Von einer Zukunft in Ostwestfalen hatte er nicht gerade geträumt. „Stellen Sie sich vor, Sie ziehen mit 29 Jahren in eine Stadt wie Bielefeld, in der Sie außer Ihrer Tante und Ihrer Oma niemanden kennen“, beschreibt Dörrenberg nur einen der Aspekte, die ihm damals durch den Kopf gingen. Als Fußballfan kommt noch die Wahl zwischen Arsenal oder Arminia dazu.

Am Ende entschied er sich trotzdem für Bielefeld. Weil er wusste, dass er hier viel bewegen konnte – und musste. Und weil er bereits, wie er sagt, „mit einer Begeisterung für das Unternehmen infiziert“ war, seit er ein Jahr für die Dr.-Wolff-Gruppe gearbeitet hatte: 1990 baute er den Vertrieb für die Kosmetiklinie Alcina in Sachsen und Thüringen auf. „ 1987 verbrachte ich ein paar Tage in Berlin, einen Tag davon in Ost-Berlin. Zu sehen, dass ein Teil Deutschlands aussieht wie in den 50er-Jahren, die Kontrolle, das begrenzte Angebot – das alles hat mich extrem frustriert. Es war ein prägendes Erlebnis.“

Nach dem Fall der Mauer wollte er die Wiedervereinigung vor Ort miterleben, doch er steckte noch mitten im Studium in Zürich – und Ingenieure ohne Abschluss waren in den neuen Bundesländern nicht gefragt. Also rief der Student kurzerhand seine Großmutter an. Wenn Dörrenberg von dieser Zeit erzählt, kommt der Enthusiasmus durch – es ist eine Abenteuergeschichte für Jungunternehmer.

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