Dramatisch gefallene Umsätze
Hofmann gegen Hofmann

Bei den Headhuntern von Korn/ Ferry muss die Nachricht eingeschlagen haben wie ein Cruise Missle: Dieter Hofmann, einer der Namensgeber von Korn/Ferry Hofmann Herbold International in Königstein, packte Anfang 2003 seine Koffer und nahm gratis wieder mit, was er der Firma noch 1999 für einige Millionen verkauft hatte: Seine Kenntnisse, seine Kontakte, seinen Ruf.

HB DÜSSELDORF. Seit dem 1. März nun tritt der mittelgroße, graumelierte Herr mit den listigen Augen, der sich auf die Besetzung von Spitzenpositionen im Einzelhandel spezialisiert hat, mit seiner Neugründung Hofmann & Heads! praktisch gegen sich selber an, denn Korn/Ferry führt in Deutschland den "Hofmann" noch im Namen.

Internet-Boom auch bei den Beratern

Für den 53-Jährigen ist die Selbstständigkeit nichts Neues: Hofmann, Herbold & Partner gehörte seit Mitte der 80er Jahre zu den bekannteren deutschen Personalberatungen. Doch 1999 entschloss sich Hofmann mit seinen Partnern, diese vermeintlich komfortable Position aufzugeben: "Es gab Existenzängste."

Der gerade ausbrechende Internet-Boom begann nämlich, auch auf die Personalberater überzugreifen: Wem es nicht gelingen würde, eine starke Präsenz in dem neuen Medium aufzubauen, so die allgemeine Ansicht, der würde bald aus dem Geschäft sein. "Wir hätten 20 bis 25 Millionen Mark gebraucht, um da mitzuhalten." Da sahen sich die Beteiligten lieber nach einem Partner um.

Gutes Geschäft

Fündig wurden sie bei der amerikanischen Personalberatung Korn/ Ferry. Diese wiederum suchte nach einer Chance, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Und weil die Märkte boomten und viele Firmen nicht schnell genug Führungskräfte zur Expansion bekommen konnten, war Korn/Ferry auch bereit, tief in die Tasche zu greifen: "Sie haben wesentlich mehr als den Jahresumsatz gezahlt", stellt Dieter Hofmann im Rückblick ganz zufrieden fest.

Was Headhunter in Deutschland umsetzen, erforscht der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Demnach erzielte Korn/Ferry 1997 einen Umsatz von 14,6 Millionen Mark, während Hofmann, Herbold und Partner auf 22,2 Millionen Mark kam. Im Jahr 1998, das den Verkaufspreis bestimmt haben dürfte, lag der Umsatz sicher noch höher, denn das fusionierte Unternehmen gab hier 42,5 Millionen Mark für beide Akteure gemeinsam an.

Wissen zählt am meisten

Nach der Übernahme explodierten die Zahlen: 1999 kamen 48 und 2000 bereits 80 Millionen Mark an Umsatz zusammen. 2001, hier begann sich die Wirtschaftskrise abzuzeichnen, ging der Umsatz auf 30 Millionen zurück - allerdings in Euro. 2002 waren es nur noch 18 Millionen Euro.

2003 schlug nun die Stunde der Trennung. "Wir hatten vereinbart: Jeder kann das Unternehmen sofort verlassen", legt Hofmann die Rechtslage klar. Genauso klar ist aber auch, dass Korn/Ferry sich den Gang der Dinge anders vorgestellt hatte: Wer eine Personalberatung kauft, dem geht es nicht um die Schreibtische, Computer und sonstige Büroeinrichtung, sondern um die Kunden, die Kontakte und um den eingeführten Namen, der im sensiblen Geschäft der Personalan- und -abwerbung Diskretion und Qualität verspricht.

Bei Korn/Ferry hat Hofmanns Schritt denn auch keine Freude ausgelöst: "Ich habe kein Verständnis dafür und will es auch nicht haben", sagt Deutschland-Geschäftsführer Arno Schmidt. Seiner Meinung nach hat Hofmann 1999 beim Verkauf der Firma sehr gut verdient - und hieraus ergebe sich auch eine soziale Verpflichtung den damaligen Mitarbeitern gegenüber: "Man kann nicht sagen, den habe ich über den Tisch gezogen, und das war s dann."

Ärger über die amerikanische Führung

Schmidt hätte es zudem vorgezogen, Hofmann wäre, wenn es schon sein musste, still bei Korn/Ferry ausgezogen - ohne "herumzumeckern". Dies dürfte sich darauf beziehen, dass Hofmann heute keinen Hehl aus seinem Ärger über die amerikanische Führung von Korn/Ferry macht: "Die konnten den guten Corpsgeist nicht halten." Statt auf die Leistungsträger zuzugehen, hätten sie "per ordre du mufti" regiert: "Man darf bei den Amerikanern die Klappe nicht aufmachen." Gezählt hätte hier immer nur der Umsatz, nicht die Rendite.

Der Kölner Personalberater Klaus Leciejewski teilt diese Einschätzung: "Die Amerikaner führen die Personalberatung, die in Deutschland eine Sache persönlicher Beziehungen ist, wie eine Industrie." Und Branchenkollegin Jaqueline Bauernfeind, die sich, von der amerikanischen TMP kommend, im April in München selbstständig gemacht hat, meint in Kenntnis der Person Hofmanns: "Das war klar, dass er nicht lange dort bleibt." Fusionen von Beratungen gingen wegen Reibungen zwischen den Beteiligten nur in den seltensten Fällen gut.

Wieder direkter am Kunden

Wer dies trotzdem noch einmal versuchen will, ist Dieter Hofmann: Er nahm einige seiner langjährigen Mitarbeiter von Korn/Ferry mit und verschmolz sie mit der Münchner Personalberatung Heads!, die er seit Jahren geschäftlich kennt. In der neuen Konstellation möchte Hofmann wieder mehr direkt am Kunden arbeiten als bei den Amerikanern, wo man ihm eine eher ungeliebte Tätigkeit im Board, dem Führungsgremium, aufgenötigt hatte.

Nein, ein persönliches Problem mit Hofmann habe er nicht, beteuert Korn/Ferry-Chef Arno Schmidt, dessen Büro in Königstein direkt gegenüber Hofmanns Arbeitsplatz auf der anderen Straßenseite liegt. Zwar halte er dessen Verhalten für "schofelig", "aber ein Bier kann ich immer noch mit ihm trinken".

Die Lücke, sagt Schmidt offen, die Hofmann auf seinem Spezialgebiet, dem Einzelhandel, hinterlassen hat, wird man nicht so schnell schließen können. Bei den Finanzdienstleistern aber sei das Geschäft stabil, und bei der Industrie denke man sogar an Neueinstellungen.

Kürzlich gab Hofmann & Heads! eine Pressemitteilung heraus, wonach das Führungsteam um den ehemaligen Babcock-Vorstand Gerd Woriescheck erweitert worden sei: Damit ziele man, so heißt es, "auf Kunden in der Großindustrie".

Bewegung in der Personalberater-Branche:

Auftragsrückgang: Die Zahl der Suchaufträge für Stellenbesetzungen ist 2002 gegenüber 2001 stark zurückgegangen: Die größeren Headhunter mussten im Schnitt 17,4 % Umsatzrückgang verkraften.

Neue Wettbewerber: Der stärkere Wettbewerb der Personalberater untereinander wird verschärft durch neue Anbieter, etwa aus der Zeitarbeit.

Aussichten: Für 2003 hofft der Branchenverband BDU, dass die Umsätze von 2002 gehalten werden können. Wahrscheinlicher sei aber ein Rückgang von bis zu 10 %.

Konsequenzen: "Viele Personalberater werden in finanzielle Schwierigkeiten geraten und weiter Personal abbauen müssen." (BDU)

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