Drei Vorstände gehen
Thyssen-Krupp räumt in der Chefetage auf

Paukenschlag bei Thyssen-Krupp: Der Industriekonzern trennt sich von drei Vorständen. Eichler, Berlien und Claassen gehen bereits zum Jahresende. Doch das Debakel in Übersee und die Korruptionsvorwürfe bleiben.
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EssenDer mit Milliardenproblemen und Korruptionsvorwürfen kämpfende Industriekonzern Thyssen-Krupp trennt sich von gleich drei Vorstandsmitgliedern. Die Verträge mit Edwin Eichler, Olaf Berlien und Jürgen Claassen sollen zum Jahresende aufgehoben werden. Das teilte Thyssen-Krupp am Mittwochabend mit.

Es handelt sich zunächst um eine Empfehlung des Personalausschusses im Aufsichtsrat. Die Entscheidung dazu sei allerdings in enger Abstimmung mit dem Vorstandschef Heinrich Hiesinger gefallen. Endgültig soll das Kontrollgremium an diesem Montag (10. Dezember) darüber entscheiden.

Damit zieht Thyssen-Krupp unter anderem Konsequenzen aus dem Milliardendebakel beim Bau von Stahlwerken in Brasilien und den USA. Außerdem sieht sich der Traditionskonzern mit der Aufdeckung einer Reihe von Korruptionsfällen konfrontiert. Deshalb stelle sich die „Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern“, heißt es in der Mitteilung von Thyssen-Krupp.

Wie es weiter hieß, hatte eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Prüfung der fehlgeschlagenen Konzernprojekte in Amerika ergeben, dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben. „Neben dem Thema Steel Americas sieht sich Thyssen-Krupp derzeit außerdem mit der Aufdeckung einer Reihe von Korruptions- und Kartellfällen konfrontiert.“

Die Arbeitnehmervertreter begrüßten den Schritt. Transparenz und Ehrlichkeit im Umgang miteinander seien nicht mehr in jedem Fall selbstverständlich gewesen, wurde in einer Mitteilung von Mittwochabend betont. Bertin Eichler, stellvertretende Vorsitzender des Aufsichtsrats und IG Metall-Vorstandsmitglied, sagte, die Beschäftigten erwarteten ein Ende der Serie von Negativschlagzeilen.

„Alle Vorfälle müssen aufgeklärt werden. Es muss Schluss sein mit sämtlichen Praktiken, die das Unternehmen in Verruf bringen“, mahnte der Gewerkschafter. Der Vorstand müsse sich wieder auf das konzentrieren können, was seine Aufgabe sei: „Die Arbeitsplätze bei Thyssen-Krupp sichern, in die Zukunft investieren, auf den Märkten bestehen und vernünftige Erträge erwirtschaften, um den Konzern dauerhaft zu stabilisieren.“

Auf Thyssen-Krupp kommen nach der Aufdeckung eines Aufzug- und Rolltreppenkartells gleich mehreren Schadenersatzklagen zu. Die EU-Kommission hatte bereits eine millionenschweren Geldbuße verhängt.

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Gegen Claassen könnte ermittelt werden

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  • Das trägt eindeutig die Handschrift dessen, der sich selber schützen will.

    Und der sitzt ganz, ganz oben. So weit oben und abgehoben, daß er, so ganz nebenbei, heuer auch in MUC eine Sache nach der anderen versemmeln läßt.

    Fragt sich nur, warum er den Siemens Korruptions-Saustall angeblich aufräumen durfte und zugleich seinen eigenen Stall über Jahre hinweg vernachlässigte.

    Klingt wie die Satire KERN-KOMPETENT, nicht wahr, Hr. C.?

  • na, da hat Rolando, der brutalst mögliche Aufklärer die Chande versemmelt mit gutem Beispiel voranzugehen und in seiner Korruptionsbutze als erster aufzuräumen

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