Dresdner-Bank-Chef im Profil
Herbert Walter: Der Hyper-Perfektionist

Herbert Walter hat die Dresdner Bank vor dem Kollaps gerettet – doch am Ende hat das nicht gereicht.

FRANKFURT. Herbert Walter ist ein beherrschter Mann. Egal wie groß die Probleme auch sind: Der seit 2003 amtierende Dresdner-Bank-Chef behält nach außen die Ruhe - meist mit einem souveränen, ironischen Lächeln. Dass dieses Bild vor wenigen Wochen ins Wanken geriet, lässt tief blicken: Als in einer Telefonkonferenz die bohrenden Fragen der Journalisten nach der Zukunft des Instituts kein Ende nehmen, holt der 55-Jährige zu einer knapp zweiminütigen Brandrede aus. Die Dresdner sei gut kapitalisiert, bricht es aus ihm heraus. Sie stehe trotz Krise im Vergleich zum Wettbewerb gut da und setze in Sachen Transparenz sogar Maßstäbe. Und Liquiditätssorgen - die gebe es anders als bei vielen Konkurrenten schon gar nicht. Die rund drei Mrd. Euro an Lasten, die die Dresdner seit Ausbruch der Finanzkrise verbucht hat, lässt Walter dabei elegant unter den Tisch fallen.

Offenbar hat es ihn seit langem gewurmt, dass "seine" Dresdner - und damit seine Arbeit - in der Öffentlichkeit so schlecht wegkommt. "Niederlagen zugeben, das mag er gar nicht", sagt jemand, der Walter kennt. Dennoch hat er mit dem Verkauf der Dresdner an die Commerzbank nun die größte seines Lebens hinnehmen müssen. Für Walter bedeutet das vor allem: Er hat es trotz unermüdlicher Arbeit nicht geschafft, aus der Bank eine Erfolgsstory für die Allianz zu machen.

Kritiker sagen, er sei dabei an sich selbst gescheitert. Diejenigen, die es gut meinen, verweisen auf die Allianz, die Walter stets ausgebremst habe. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Unbestritten sind Walters brillante analytische Fähigkeiten und der fast streberische Perfektionismus. "Wer mit Walter zwei oder drei Jahre gearbeitet hat, ist für alles im Leben gerüstet", heißt es. Während dem Vater dreier Kinder öffentliche Veranstaltungen und gelacktes Auftreten ein Grauen sind, hat er kein Problem, seine Wochenenden im Büro zu verbringen. Doch es gibt auch die andere Seite. "Er kann schlecht delegieren", sagt ein Kritiker. Die Lösungen des als charmant beschriebenen Oberbayern sind fast immer exzellent - kommen aber manchmal zu spät.

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