Dresdner Bank
Walter: Abtritt eines Fremdkörpers

Herbert Walter tritt als Chef der Dresdner Bank deutlich eher zurück als erwartet wurde. Außerdem will er nicht in den Vorstand der Commerzbank einziehen. Was steckt hinter seiner Entscheidung?

FRANKFURT. Was haben sie in Frankfurt nicht alle gelästert. Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter als „Chief Marketing Officer“ (CMO) der künftigen Commerzbank? Mancher unkte, Walter gebe künftig den „Chief Mumpitz Officer“. Und alle fragten sich, wieso sich ein Vorstandsvorsitzender so degradieren lässt – ob es vielleicht die bloße Geltungssucht ist. Die Insignien eines Vorstandsposten können es nicht gewesen sein. Denn der 55-jährige Oberbayer verlässt im Januar vorzeitig die Bank.

„Meine Aufgabe bei der Integration ist schneller erledigt als geplant“, ließ Walter gestern die Mitarbeiter in einem Brief wissen. Offiziell wird der Rückzug damit begründet, dass die Commerzbank die Dresdner nun bereits im Januar übernimmt – nicht im Herbst 2009. Für Experten ausgemachter Unsinn: „Da ist noch gar nix passiert, das geht jetzt erst los.“

Mehr Sinn ergibt der Schritt, wenn man unterstellt, dass Walter während der Fusion vor allem für die Allianz die Interessen im Commerzbank-Vorstand wahren sollte. Das ist nun hinfällig: Nicht nur, dass die Transaktion ein Dreivierteljahr früher kommt. Nein, die Allianz hält künftig an der Bank nur noch gut 18 Prozent – nicht wie geplant 30. „Walter hätte bleiben können, aber er wäre als Dresdner-Banker immer ein Fremdkörper gewesen“, heißt es in dessen Umfeld. Und er habe gesehen, dass er jetzt gehen müsse, wenn er noch einmal auf einem vernünftigen Posten Fuß fassen wolle. Immerhin: Walter hat dafür gesorgt, dass Dresdner-Banker in den zwei Ebenen unterhalb des Vorstands erstaunlich gut vertreten sind.

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