Drittreichster Mann weltweit
Carlos Slim, der unbekannte Milliardär

Seit Jahren scheinen die ersten Plätze der „Forbes“-Liste der Superreichen fest vergeben. Auch in diesem Jahr folgte auf Spitzenreiter Bill Gates der legendäre Investor Warren Buffett. Dahinter dann die Überraschung: Auf Platz drei der Liste steht der Name von Carlos Slim Helu, einem mexikanischen Milliardär. Doch wer ist der große Unbekannte?

MEXIKO-CITY. Der mexikanische Medientycoon kontrolliert den Telefonkonzern Telmex, der fast über das gesamte Festnetz des Landes verfügt. Hinzu kommt die in Mexico führende Mobilfunkgesellschaft América Móvil. Dem Liebhaber moderner Kunst und dicker Zigarren gehört ein Großteil der mexikanischen Banken, Versicherungen, Investmenthäuser, Restaurants, Kaufhäuser, Minengesellschaften und Autozulieferer. Überall kauft Slim angeschlagene und niedrig bewertete Unternehmen, saniert sie, stößt sie schließlich mit hohem Gewinn wieder ab.

Den rapiden Anstieg seines Vermögens verdankt Slim außerdem der mexikanischen Börse, an der sich die gehandelten Aktien in den vergangenen vier Jahren um rund 200 Prozent verteuerten. Der 67-Jährige mit libanesischen Wurzeln gilt als moderner König Midas: Was er anfasst, verwandelt sich in Gold. „Carlos Slim hat einen unvergleichlichen Riecher für Geschäfte und Schnäppchen“, sagt Rogelio Ramírez de la O, Chef der Investmentberatungsgesellschaft Ecanal.

Vor allem América Móvil ist Slims Goldesel. Seit der Ausgliederung aus Telmex im Jahr 2000 hat er damit fast ganz Lateinamerika aufgerollt. In Zahlen: Telefonierten vor fünf Jahren etwa 26 Millionen Menschen vor allem in Mexiko mit Slims Handys, waren es im vergangenen Jahr bereits 124 Millionen. „Außer in Bolivien und Venezuela, Kanada und Panama ist Slim in ganz Amerika vertreten“, sagt Manuel Jimenez, Branchenanalyst vom Börsenhaus Véctor. Selbst in den USA zeigt er über einen Konzessionär Präsenz.

Dass in Slim eine Unternehmerseele schlummert, zeigt sich früh. Geboren in der mexikanischen Oberschicht als fünftes von sechs Geschwistern, geht er zielorientiert vor. Anders als viele seiner Klassenkameraden studiert er im eigenen Land Bauingenieurwesen, arbeitet anschließend einige Jahre als Aktienhändler, bevor er sich zutraut, nun selbst Unternehmen aufzukaufen.

Im Jahr 1990 gelang ihm dann sein wohl größter Deal: Die mexikanische Regierung privatisierte zahlreiche Staatsbetriebe – darunter die Telefongesellschaft Telmex. Unabhängige Buchprüfer schätzten den Wert des Unternehmens auf zehn bis zwölf Milliarden Dollar. Slim erhielt an der Spitze eines Konsortiums für 1,8 Milliarden Dollar den Zuschlag und bezahlte rund 80 US-Cent pro Aktie. Noch heute kontrolliert das Unternehmen 95 Prozent des Festnetzes. Die Telmex-Aktie notiert derweil auf über 20 Euro.

Zwar gilt Slim als Medientycoon, die Öffentlichkeit liebt er dennoch nicht. Unsichtbar zieht er seine Strippen im Hintergrund, pflegt von jeher enge Kontakte zu Politikern, was viele Kritiker anprangern. So wird dem Multimilliardär vorgeworfen, bei der Übernahme von Telmex von einer allzu großen Nähe zu Mexikos damaligem Präsidenten Carlos Salinas de Gortari profitiert zu haben. Doch Slim, der im Geschäftsleben als gnadenlos gilt, hat auch eine andere Seite. So vergab er in den vergangenen Jahren 150 000 Stipendien, bezahlte Zehntausende Brillen und Augenoperationen für Arme. Das allerdings lässt seine Kritiker unbeeindruckt.

„Mit seinen philanthropischen Stiftungen versucht er, sich eine Art Versicherungspolice zu kaufen, damit er weiter ungestört und ohne Konkurrenz Geld anhäufen kann“, urteilt etwa die bekannte Politologin Denise Dresser. Auch heute noch mache er seinen großen Einfluss geltend, um staatliche Regulierungen zu verhindern, die seine Monopole aufbrechen könnten. Solche Vorwürfe beeindrucken den reichen Mexikaner wenig. „Reichtum ist wie ein Obstgarten“, sagt er, „du teilst die Frucht, nicht den Garten.“

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