Management
Druck auf Deutsche-Bank-Chef Ackermann wächst

Es wird ungemütlich für Josef Ackermann. Hartnäckig halten sich Spekulationen über einen Rücktritt des Chefs der Deutschen Bank - trotz aller Dementis. Die drohende Wiederaufnahme des Mannesmann-Prozesses sorgt nun für neue Unruhe am Finanzplatz Frankfurt.

dpa FRANKFURT/MAIN. Es wird ungemütlich für Josef Ackermann. Hartnäckig halten sich Spekulationen über einen Rücktritt des Chefs der Deutschen Bank - trotz aller Dementis. Die drohende Wiederaufnahme des Mannesmann-Prozesses sorgt nun für neue Unruhe am Finanzplatz Frankfurt.

Ohnehin wird auf Deutschlands größtes Geldhaus und den Schweizer an dessen Spitze eingedroschen, seit Ackermann im Februar ankündigte, einem ehrgeizigen Renditeziel trotz Milliardengewinn 6 400 Stellen zu opfern. Viele Branchenkenner halten es dennoch für unwahrscheinlich, dass der 57-Jährige schnell aufgibt.

„Es gibt absolut kein Anzeichen, dass Ackermann sich vorzeitig zurückzieht“, sagt ein Vertrauter. Auch aus der Belegschaft heißt es: „Vom Grundsatz her wird Ackermanns Strategie gebilligt, es gibt keine Unruhe und auch keine große Welle "Der muss weg".“ Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ befand zwei Tage nach ersten Meldungen über Rücktrittserwägungen des Deutsche-Bank-Chefs: „Widerstand innerhalb der Bank gegen eine Vertragsverlängerung Ackermanns ist nicht zu erkennen.“ Der Vertrag läuft bis Ende 2006.

Doch es bleibt ein Negativ-Image. Ackermann selbst hat inzwischen verstanden, dass sowohl sein Siegeszeichen vor Gericht als auch die Verknüpfung des Jobabbaus mit blendenden Geschäftszahlen alles andere als geschickt waren. „Man kann immer besser werden und lernen“, räumte er bei der Hauptversammlung vor knapp einer Woche ein. Auch mit seinem Bekenntnis zu Deutschland vor den Aktionären - „Deutschland ist und bleibt unser Heimatmarkt“ - schien Ackermann, der in der Kapitalismusdebatte als einer der Buhmänner herhalten musste, in seiner Wahlheimat um Sympathien zu werben.

Nach Ansicht des Kieler Krisenforschers Frank Roselieb hat Ackermann jedoch auch in der Kapitalismusdebatte versagt. „Es war falsch, dass sich Ackermann nicht sofort geäußert hat, als die Kritik aufkam.“ So werfen Kritiker der Bank und ihren Managern einen Reihe von „PR-Gaus“ vor und sehen den Stern des Branchenprimus sinken. „Die Deutsche Bank ist d i e deutsche Bank - von ihr erwartet man vorbildhaftes Verhalten“, erläutert Roselieb. Einen Rücktritt Ackermanns halte er derzeit dennoch für unwahrscheinlich: „Es gab in Deutschland noch keinen Fall, wo ein Manager nur wegen kommunikativer Fehler zurücktrat.“

Die Bilanz der Deutschen Bank spricht für Ackermann. „Ackermann hat die Bank wieder an das Niveau der europäischen Spitzenbanken herangeführt und plant vorausschauend“, sagt Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Er hat einen guten Job gemacht, auch wenn die Öffentlichkeitsarbeit nicht immer glücklich war.“

Mit aller Macht trieb Ackermann die Internationalisierung der Bank voran und setzte Profitabilität über alles. Damit brachte der Schweizer schon im vergangenen Jahr die Traditionalisten in der Bank gegen sich auf, die das Institut auch künftig lieber als starke Geschäftsbank mit gewachsenen Kundenbeziehungen gesehen hätten, als überwiegend vom riskanten Investmentbanking abhängig. Im internen Machtkampf mit dem mächtigen Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri setzte sich Ackermann im Herbst 2004 durch, Cartellieri verließ nach 34 Jahren die Bank. Schon damals mehrten sich kritische Stimmen.

„Wir müssen die Leute in Minuten ersetzen können, wenn sie Fehler machen“, hatte Ackermann selbst wenige Monate nach seinem Amtsantritt im Mai 2002 proklamiert. Fehler sind gemacht worden, nun bleibt abzuwarten, wie lange Ackermann dem öffentlichen Druck stand hält. Eng werden dürfte es, wenn der Prozess um Millionenabfindungen bei der Übernahme von Mannesmann durch die britische Vodafone neu aufgerollt wird. „Wenn Ackermann verurteilt wird, ist er nicht mehr tragbar“, heißt es in der Branche.

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