Druck und Versagensängste treiben Manager zur Ego-Droge
Mit Koks schaff’ ich alles

In Schickeria-Kreisen ist die Party-Droge nach wie vor angesagt. Wer nicht mitmacht, gilt als Spießer. Auch viele Manager treibt es zu dem weißen Pulver.

Bei der Arbeit hatte ich extremen Druck. Meine Abteilung hatte die Zielzahlen mit 120 Prozent übererfüllt, trotzdem hieß es: Nächstes Jahr nochmal zehn Prozent drauf! Dann kam diese wichtige Präsentation vor meinen Mitarbeitern – über 100 Leute. Nervlich war ich extrem angespannt. Da hab ich eine Nase Kokain genommen – die Angst war weg, und ich lief zur Hochform auf“, erinnert sich Versicherungsmanager Stephan Krüger (Name geändert), wie er in seine Kokserkarriere hineinrutschte. Bis dahin hatte der 40-Jährige bei einem großen Konzern eine Bilderbuchkarriere hingelegt.

Krüger ist in prominenter Gesellschaft: Moderator Michel Friedman, Trainer Christoph Daum, Künstler Jörg Immendorff, Sänger Konstantin Wecker, Sternekoch Eckhart Witzigmann, Fußballer Diego Maradonna und Supermodel Kate Moss. Sie alle nahmen Kokain – und ihre Karriere geriet ins Straucheln.

In Schickeria-Kreisen ist die Party-Droge nach wie vor angesagt. Wer nicht mitmacht, gilt als Spießer. Vermeintlich harmlos hatte es auch bei Manager Krüger angefangen. Ein Freund brachte ein Tütchen „Schnee“ auf eine Fete mit. Alle probierten „so aus Jux“. „Danach war ich fit ohne Ende.“

Über 300 000 Deutsche konsumieren regelmäßig Kokain, schätzen Experten. Koksten bisher meist Leute aus Showbiz und Sportwelt, so dopen sich heute immer mehr Manager bei der Arbeit mit der Durchhalte-Droge. Dies bestätigt Bernd Sprenger, Chefarzt der privaten Oberbergklinik für Suchtkranke bei Berlin. „Heute behandeln allein wir 30 kokainabhängige Manager im Jahr. Vor fünf Jahren hatten wir hier keinen einzigen solchen Fall.“

Was treibt Manager zu dem weißen Pulver? Sprenger macht die ungesunde Leistungskultur der „Fit-for-fun“-Gesellschaft mitverantwortlich. „Ob bei der Arbeit oder beim Sport – Leistung wird als beliebig steigerbares Ideal verherrlicht.“ Besonders anfällig seien Werber, Berater und Manager mit viel Verantwortung. „Koks nehmen meist Männer um die 40, die einseitig leistungsfixiert sind. Sie wollen cool sein und Versagensängste unterdrücken.“

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