Druckmaschinen
Heideldruck: Tradition verpflichtet

Heideldruck-Chef Bernhard Schreier steht nach der abgesagten Fusion mit dem Konkurrenten Manroland vor einem Scherbenhaufen. Um die desaströse Bilanz des Druckmaschinen-Herstellers zu retten, muss der Chef Kosten sparen - und jeden fünften Beschäftigten entlassen.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Woche hat für Bernhard Schreier nicht gut begonnen. Zunächst musste er auf Betriebsversammlungen den Mitarbeitern von Heidelberger Druck den geplanten Stellenabbau erklären, mitten rein platzte dann die Nachricht von der Absage der Fusion mit dem Konkurrenten Manroland. Das sichere Ufer ist für den weltgrößten Hersteller von Druckmaschinen nun wieder ein Stück weiter weg.

Für den Heideldruck-Chef ist das eine herbe Niederlage, hatten sich die Unternehmen doch in den vergangenen Wochen angenähert. Auf der Zielgerade sei man, hatte es geheißen. Treiber der Fusion war der Versicherer Allianz, der mit 13 Prozent größter Aktionär der Heidelberger und über die Private-Equity-Tochter Allianz Capital Partners Mehrheitseigner von Manroland ist.

Die Allianz bekam aber offenbar wie Manroland-Minderheitsaktionär MAN kalte Füße und blies am Montag die Fusionsgespräche – die nie offiziell bestätigt worden waren – ab. Unter der Hand wurde die desaströse Bilanz für das abgelaufene Quartal als Grund genannt. Im Umfeld der Heidelberger wird aber vielmehr vermutet, dass es weitere Gründe geben muss. Etwa dass die Allianz einen alternativen Fusionspartner für Manroland suchen könnte.

Dabei hätte ein Zusammenschluss der beiden größten Druckmaschinenhersteller der Welt durchaus Sinn ergeben. Heidelberger Druck und Manroland sind wie der Rest der Branche krisengebeutelt. Viele Inhalte von Druckerzeugnissen wandern ins Internet. Druckereien und Verlage scheuen deshalb Investitionen in Maschinen, zumal in der Wirtschaftskrise. Licht am Ende des Tunnels sieht keines der beiden Unternehmen. Immerhin ist Heidelberger Druck dank gewährter Staatsgarantien bis 2012 durchfinanziert, Schreier steht also nicht mit dem Rücken zur Wand.

Aber ohne Einsparungen wird er den Konzern nicht durch die Krise führen können. Der auf Loyalität und Fairness bedachte Schreier trat daher am Montag den schweren Gang vor die Mitarbeiter an. Jeder fünfte der zuletzt 20 000 Beschäftigten muss gehen. Einige von ihnen dürfte er noch persönlich kennen, arbeitete er doch lange selbst in den Werken. Der Einschnitt ist hart, aber es hätte auch schlimmer kommen können. Im Gespräch war anfänglich der Abbau von 5 000 Stellen.

Aus dem Umfeld von Manroland muss sich Schreier nun vorwerfen lassen, dass er zu spät und zu „lax“ auf die Krise reagiert habe. Ein Vorwurf, der kaum greifen dürfte. Denn schon kurze Zeit nach seinem Amtsantritt vor zehn Jahren hatte Schreier in der ersten Branchenkrise die ehrgeizige Expansionspolitik seines Vorgängers Hartmut Mehdorn korrigiert. Das Unternehmen schrieb hohe Verluste und musste sich von den erst kurz vorher aufgebauten Sparten Rollendruck und Digitaldruck trennen. Der auf Konsens bedachte Manager konzentrierte die Heidelberger auf das Stammgeschäft Bogendruck.

Schreier ist einer der wenigen deutschen Spitzenmanager, die ihr Berufsleben bei nur einem Unternehmen verbracht haben. Nicht nur das: Bereits sein Vater und der Großvater hatten bei dem Traditionsunternehmen gearbeitet. Schreier kommt aus einfachen Verhältnissen: Sein Großvater begann nach der Flucht aus Ungarn als Hilfsarbeiter bei Heidelberger Druck, sein Vater schaffte es schließlich bis zum Vorarbeiter. Schreier verdiente sich sein Studium an der Berufsakademie Mannheim zum Diplom-Ingenieur beim Druckmaschinenkonzern, wo er im Anschluss anheuerte. Diese innere Verbundenheit macht dem dreifachen Familienvater die notwendige Sanierung mit den dazugehörenden harten Einschnitten nicht leichter.

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